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Die strukturelle Differenziertheit des geistigen Apparates ist nur einer jener Faktoren, die zu psychischen Konflikten führen. Ein entwicklungsgeschichtlich älterer und mehr elementarer Faktor für die Entstehung von Konflikten ist die Polarität des Trieblebens. Zweifellos sind die strukturellen Verhältnisse bei der Gestaltung des Traums und der Symptome gründlicher erforscht und besser erkannt, als die grundlegende Tatsache, daß sich das Triebleben in Gegensatzpaaren äußert wie: aktiv-passiv, expulsiv-rezeptiv, maskulin-feminin, sadistisch-masochistisch, exhibitionistisch-skoptophil. Diese Polarität sieht man, wie die meisten Ausgangstatsachen einer Wissenschaft, als ein fundamentales Phänomen an, das einer weiteren kausalen Erklärung nicht mehr zugänglich ist. In der Psychologie haben wir diese Polarität einfach anzunehmen und können hoffen, daß uns die Biologie einmal eine weitergehende Erklärung geben wird. Obgleich diese einander polar entgegengesetzten Triebe, offenbar paarweise miteinander, enge zusammengehören, bilden sie doch eine allgemeine Ursache für psychische Konflikte.
Die Erforschung der seelischen Vorgänge vom strukturellen, dynamischen und ökonomischen Gesichtspunkt aus ist keineswegs unvereinbar, sondern eher komplementär verbunden mit der Untersuchung der Qualität der Triebmächte, die in unseren metapsychologischen Gleichungen vorkommen. Ich hebe die Tragfähigkeit und den Nutzen beider Standpunkte hervor, wenn ich etwa das komplizierte System der Zwangsneurose beschreibe: die verschiedenen Symptome lassen sich als Ausdruck des dynamischen Gleichgewichts zwischen verdrängten und verdrängenden Mächten verstehen und beschreiben, aber ebensogut auch als sadistisch-masochistische Reaktionen oder in vielen Fällen als Ausdruck bisexueller Triebe im Patienten. Es ist nur natürlich, daß wir es bis jetzt vorgezogen haben, entweder den mehr formalen, metapsychologischen oder den qualitativen Gesichtspunkt getrennt anzuwenden; das Bild wird unvergleichlich kom