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Ich könnte Ihnen und mir viel Zeit ersparen, wenn ich die soeben gestellte kurze Frage mit dem einen Worte „Alles“ beantwortete. Aber eine mehr als dreißigjährige Betätigung in meinem Fache, welche von den Ideen der Psychoanalyse seit mehr als 25 Jahren in immer steigendem Maße beeinflußt wird, berechtigt mich wohl, meinen Dank an Sigmund Freud etwas ausführlicher zu formulieren. Die Berechtigung wie auch die Verpflichtung möchte ich auch aus dem Umstand ableiten, daß ich zu dem kleinen, immer enger werdenden Kreise jener Männer gehöre, die sich in den Anfängen der Psychoanalyse an den Mittwochabenden in der Berggasse zusammenfanden und an denen ich allerdings mehr empfangen als gegeben habe. Und so dürfen Sie denn auch heute von mir keine Bereicherung Ihrer analytischen Kenntnisse erwarten, sondern einen stark subjektiv gefärbten Rechenschaftsbericht über die Art, wie ich das mir anvertraute Gut in meinem Spezialgebiet verwaltet habe, und ich hoffe auf Ihre verständnisvolle Nachsicht für die Schwächen einer solchen subjektiven und, wie ich gleich hinzufügen will, auch aphoristischen Art der Berichterstattung rechnen zu dürfen.
Was zunächst die Person des Sexualarztes betrifft, muß ich konstatieren, daß es vor 30 Jahren kaum Ärzte von Rang und Namen gab, die sich zu diesem Fache bekannten. Man wird einwenden, daß ja damals schon eine Menge Frauenärzte existierten, deren Aufgabe es war, sich mit den Erkrankungen des weiblichen Genitales zu befassen. Aber das Interesse dieser Ärzte konzentrierte sich hauptsächlich auf geburtshilfliche und gynäkologische Probleme; sie waren rein chirurgisch orientiert, und wir haben es von Freud selbst gehört, daß einer der vornehmsten Gynäkologen dieser Zeit, Rudolf Chrobak, der kein beschränkter Spezialist, sondern einer der besten damaligen Ärzte war, sich bei der Behandlung nervöser, oder besser gesagt neurotischer Störungen seiner Patientinnen nicht sicher gefühlt und daß er gerne die Gelegenheit ergriffen hat, sie Nervenärzten zuz