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gehalten der Wiener psychoanalytischen Vereinigung am 22. November 1933.
Im völlig ungestörten Schlafe ist — nach aller Wahrscheinlichkeit — das Ich ohne Besetzung, d. h. so besetzt wie im Embryo (vielleicht: wie im schlafenden Embryo). Das Ich des Vortags erwacht aus solchem Schlafe als aktuelles Ich; diese Wiederbesetzung geschieht um so mehr in einem Akte und um so schneller, je normaler Schlafen und Erwachen sind. Es muß dabei das Ich demnach in kürzester Zeit sein ganzes Werden wiederholen. Ich schlage vor, dieses Geschehen, weil es allmorgendlich vor sich geht, analog zu „Onto-“ und „Phylogenese“ „Orthriogenese“1 zu nennen. Obgleich der Vorgang am normalen Erwachen erst durch Erfindung einer „Zeitlupe für psychische Erscheinungen“ wahrnehmbar würde, ist es doch keine Gedankenspielerei, ihn vorauszusetzen. Diese Annahme ist vielmehr geeignet und notwendig, um viele Erscheinungen des Traumlebens genauer zu beschreiben und, wie ich meine, auch zu erklären.
Das Traum-Ich ist nämlich immer nur zum Teil erwacht, es hat nur einen Bruchteil des Umfangs und Inhalts des wachen Ichs, seine Ich-Grenze ist nur nach Bedarf der jeweiligen Traumszene besetzt, ganze Funktionen fehlen2 ihm. In bezug auf die Lebensreife ist in den meisten Träumen das Ich ganz nahe an die aktuelle Zeit herangekommen, es ist das Ich zwischen gestern und heute. Es werden aber sehr viele Träume und insbesondere noch viel mehr Traumteile von einem Ich erlebt, das nur bis zu einem früheren Lebensstadium aufgewacht ist. Wahrscheinlich kann ein alternder Traumforscher das öfters erleben und deshalb eher darauf aufmerksam werden; denn auch die wunscherfüllende Kraft des Traumes betätigt sich auf diese einfache Weise. („Ich träume als Kind mich zurücke“ … und andere Verse desselben Dichters.) Die Unreife des Traum-Ichs charakterisiert aber nicht nur solche, sehr