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Anknüpfend an Stirnimann, der sich allerdings auf Freud berufen muß würdigt der Verf. die ”Urangst“. Sie hat ihre Quelle im Erlebnis der Geburt und soll schon für das Verhalten in der frühesten Zeit, aber auch für das Wesen des heranwachsenden Kindes bedeutsam sein. Von vier Geschwistern z. B. wurden drei leicht, eines schwer geboren. Dieses allein von allen soll schwer erziehbar sein. Im Fieberdelir bei einer akuten Infektion quält Pat. im 11. Jahr eine Vorstellung, die lebhaft an Bernfelds Schilderung gemahnt: Er diktiert es 2 Tage nach dem mehrstündigen Delir mit folgenden Worten: „Auf einmal war bloß eine einzige Röhre da, aber eine große: durch diese mußte man verkehrt durchsausen, ganz senkrecht von oben nach unten, mit dem Kopf voraus. Und die Medikamente, welche ich bekam, meinte ich dazu zu erhalten, damit es gut ablaufe.“ Es bestehe eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß für die Leichterziehbarkeit eines Kindes der Leichtigkeit des Geburtstraumas mit eine gewisse Beutung zukomme. — Beobachtungen von Pseudodebilität und Pseudodemenz infolge ungünstiger Umweltsverhältnisse werden festgehalten, und endlich wird mit Berufung auf Freud und Hug-Hellmut die Wichtigkeit der Familien- und insbesondere der Geschwisterkonstellation eingehend erörtert. Verf. macht sich Freuds Satz aus dem Aufsatze „Zur Psychologie des Gymnasiasten“ völlig zu eigen: „Die Affekteinstellungen gegen andere Personen sind in der Familienkonstellation schon frühzeitig fertiggemacht. Nach dem 6. Jahre können sie nur noch entwickelt, umgewandelt, aber nicht aufgehoben werden.“ In dem etwas nebelhaften Begriff der Psychopathie scheint ihm neben der Heredität die Wirkung schädlicher Umwelteinflüsse gleich bedeutungsvoll.
J. Friedjung (Wien)