You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Arbeit Kardiners ist ein ungemein anregender Beitrag zu einem vernachlässigten, für die Theorie der Psychoanalyse grundlegenden Thema: den „Ich-Neurosen“ Epilepsie und traumatische Neurose; sie verdient in unseren Vereinigungen eingehende Diskussion.
Freud hat in „Jenseits des Lustprinzips“ die echte traumatische Neurose — eine Über-tragungsneurose, deren Ausbruch durch ein äußeres Trauma veranlaßt wurde, verdient nicht diesen Namen — dahin charakterisiert, daß es sich bei ihr um einen Durchbruch des Reizschutzes handelt. Die Symptome sind teils direkte Folgen dieses Durchbruches, teils Versuche der nachträglichen Bewältigung der unbewältigten Erregungsmassen. K. ergänzt nun diese Formel, indem er sowohl jene Folgen als auch diese Versuche näher untersucht. Als wesentliche Reaktion des Ichs auf den Durchbruch des Reizschutzes, die dann für alles Weitere verantwortlich ist, stellt K. die plötzliche Hemmung wesentlicher Ich-Funktionen, nämlich derjenigen des sensorisch-motorisch-perzeptiven Apparates fest. Es ist eine allgemeine Eigenschaft des Organischen, Unlustreize mit abwehrenden Selbsthemmungen zu beantworten. Daß solche auch bei anatomisch intaktem Sinnes- und Zentralorgan vorkommen, ist zweifellos richtig. Bekanntlich stimmen Freud und die Wahrnehmungspsychologen darin überein, daß das Wahrnehmen ein „aktiver“ Akt sei, der durch „rhythmische Besetzungsstöße“ erfolge, die vom Inneren des Organismus her wirken. Das funktionstüchtige Organ muß also mit einer gewissen zentrifugalen Energiemenge „besetzt“ werden, damit es aktuell funktioniere. Diese zentrifugalen Energiemengen können wir als analog den Trieben auffassen. Es ist wohl derselbe „Trieb“, der das Organ ontogenetisch erzeugt hat, der, nach Existenz des Organs weiterwirkend, die Funktion herstellt. Dieser „Trieb“ wird nun unter den Bedingungen eines „Traumas“ (wenn die Außenwelt die Funktion nutzlos oder gefährlich erscheinen läßt) eingestellt. Eine solche Einstellung der Besetzungsstöße hat mit dem Ei