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In den letzten Jahren haben eingehende Auseinandersetzungen um eine möglichst differenzierte Erfassung des Ödipuskomplexes stattgefunden, dieses Kernkomplexes der Neurosen, wie Freud ihn einst benannte. Diese Bemühungen haben sogar dazu geführt, daß es Freud selber fraglich erschien, ob die Allgemeinheit des Satzes: der Ödipuskomplex sei der Kern der Neurose, sich auch weiterhin halten lasse.
Praktisch wurde man zu diesen Untersuchungen gedrängt durch die Erfahrung, daß mit zunehmender Erkenntnis der präödipalen Stufen gelegentlich in Analysen die Kriterien zu entgleiten drohten, was an gewissen Erscheinungen noch dem Ödipuskomplex als solchem zugehöre, oder was aus seiner prägenitalen Vorgeschichte stamme. Und doch erwies sich immer wieder eine möglichst präzise Erfassung dieser Gesamtsituation als für jede Behandlung äußerst bedeutsam.
Eine der strittigen Fragen bewegt sich um die zeitliche Festlegung des Ödipuskomplexes. Man erhofft von ihrer Klärung vor allem Beiträge zur Lösung des Problems: inwieweit der Ödipuskomplex in seiner bekannten Form und inwieweit eventuell die präödipale Vorzeit an der Verursachung einer Neurose beteiligt sei.
Bis vor einiger Zeit wurde in Anlehnung an frühere Untersuchungen von Freud das vierte bis fünfte Lebensjahr für die Zeit des Höhepunktes des Ödipuskomplexes gehalten, d. h. man machte ihn von der vollen Erreichung der phallischen Phase abhängig, die man auf diesen Zeitpunkt verlegte. Dem traten allmählich gewisse Erfahrungen aus Kinderanalysen und später aus der direkten Kinderbeobachtung entgegen, die vermeinten, auch den vollen Ödipuskomplex bereits viel früher etabliert zu finden. Es war namentlich Melanie Klein, die zuerst mit besonderem Nachdruck diese Auffassung vertrat.
Ihren Befunden begegnete aber unter anderen Fenichel mit der Ansicht, daß es sich bei ihren Beobachtungen wahrscheinlich um Objektbeziehungen handle, die noch nicht die genitale Stufe erreicht hätten, auch noch nicht genitale Inhalte aufwiesen, und die über