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Männlichkeit und Aktivität wurden in der analytischen Literatur schon öfter als Korrelatbegriffe nebeneinander gestellt. Es heißt in einer Definition: „Aktiv nennt man das Individuum, das sein Sexualobjekt angreift, es erobert, passiv dagegen ist dasjenige, das sich dem Partner hingibt. Es ist uns allen geläufig, daß die erstgenannte Haltung im Liebesleben in der Regel vom Männchen angenommen wird, während das Weibchen sich für gewöhnlich der passiven Verhaltungsweise bedient.“1 In der neueren Literatur wird sogar von der Möglichkeit geprochen, daß die „einzige“ Libido — weil aktiv gleich „männliche Libido“ sei.
Diese — meiner Ansicht nach — unrichtigen Aufstellungen veranlassen mich zu folgenden prinzipiellen Bemerkungen.
Die Libido ist definitionsgemäß die quantitativ abstufbare Energie der Sexualtriebe. Sie kann deshalb, im Sinne der Definition, weder männlich noch weiblich sein. So will es auch Freud verstanden haben. Entweder ist sie bei Mann und Weib gleich und sexuell neutral, oder aber ist sie — die Energie — qualitativ verschieden, dann muß es definitionsgemäß eine männliche und eine weibliche Libido geben.
Bei so allgemeinen und daher eines wohldefinierten Inhaltes baren Begriffen wie „aktiv“ und „passiv“ sind in der Verwendung verschiedene Möglichkeiten zu beachten. In unserem Falle möchte ich auf folgende verweisen:
Es können Vorurteile existieren, welche den Tatsachen Zwang antun und diese allgemeinen Begriffe in beschränktem oder entstelltem Sinne anwenden wollen. So wird unter „Aktivität“ eine besondere Art der Aktivität verstanden und die nicht einmal verdrängte oder verleugnete Tatsache der andersartigen Aktivität des Weibes, z. B. in der Koketterie, in der Verführung, beiseite geschoben.
Das „passive Weib“ entspricht nicht den Tatsachen, sondern einem Ideal. Die Sexualmoral gewisser Kulturperioden wollte das Weib nicht aktiv im Sexualleben wissen. Die Erziehung ging darauf aus, im Weibe das Bewußtsein der Schande im Falle ihrer sexuellen Aktivität hochz