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Verschiedentlich ist in der psychoanalytischen Literatur das Verhältnis der Angst gefressen zu werden zur Kastrationsangst erörtert worden, und man kann die herrschende Meinung wohl dahin zusammenfassen, daß die Vorstellung des Gefressenwerdens oft als Entstellung für die der Kastration verwendet wird, daß aber die Entstellung dabei regressive Bahnen einschlägt und es eine primäre Angst vor dem Gefressenwerden gibt, die früher da war als die Kastrationsangst. Lewin, der Gültigkeitsbereich, Genese und Folgen der symbolischen Gleichung Körper = Phallus zusammenstellt, macht auch den Zusammenhang zwischen Gefressenwerden und Kastriertwerden einleuchtender, indem er dartut, daß diese Gleichung dabei die Vermittlerrolle spielt.
Zunächst: Wenn Körper und Penis einander gleichgesetzt sind, so stelle der Mund die Urethralöffnung, Spucken, Erbrechen, besonders auch Reden und Schreien die Ejakulation dar (Rede- und Schreibehrgeiz könne aus einer solchen Verschiebung von urethralen Qualitäten auf den Mund entstehen). Die ganze Gleichung habe ihre unbewußte Grundlage in den Einverleibungsvorstellungen: Man finde oft bei Frauen gleichzeitig die Phantasie, einen Penis abzubeißen, und die, selbst einer zu sein. Sie identifizieren sich bzw. ihren ganzen Körper mit dem Penis auf dem Wege der oralen Introjektion. Die Idee, einen Penis abgebissen oder sich sonstwie einverleibt zu haben, sei die Voraussetzung der Gleichsetzung von Körper und Penis. In Konsequenz dessen kann man sagen, was das eigentliche unbewußte Sexualziel dieser Gleichung ist: Gefressenwerden. So wie die Mutterleibsphantasie nach Freud ein entstellter Ausdruck für den Inzestwunsch ist, sei es auch die Idee, gefressen zu werden, indem in beiden Fällen der ganze Körper an die Stelle des Penis trete. Der aktive phallische Wunsch sei durch solchen oralen Ausdruck passiv geworden. Es gebe sehr mannigfaltiges Material dafür, daß unbewußt Essen der männlichen, Gegessenwerden der weiblichen Sexualfunktion gleichgesetzt wird