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Neuerlich wurde die weibliche Sexualität von Freud und auch von anderen, hauptsächlich weiblichen Analytikern zum Gegenstand ihrer Forschung gemacht. Während man aber früher vor allem die Analogien zu dem aus Männeranalysen erbrachten Material herauszufinden sich bemühte, scheint jetzt eher der Unterschied in der Entwicklung der beiden Geschlechter im Mittelpunkt des Interesses zu stehen.
Freud hat in seiner letzthin erschienenen Mitteilung „Über die weibliche Sexualität“ über das Ergebnis der bisherigen Forschungen berichtet und seinen Standpunkt hierzu formuliert. Nach Freud sind für die Entwicklung der weiblichen Sexualität besonders zwei Momente von großer Bedeutung:
Erstens: Warum und wie wechselt das Mädchen ihr erstes Liebesobjekt?
Zweitens: Wie wechselt die weibliche Libido ihre Richtung, d. h. wie und warum wird aus der aktiven, auswärts gerichteten Klitorisphase das passive, zum Aufnehmen geeignete vaginale Stadium?
Meine Beobachtungen zu diesem Fragenkreis liefern vielleicht einen kleinen Beitrag zur Klärung einiger noch dunkler Punkte.
Warum und wie wechselt das kleine Mädchen ihr erstes Liebesobjekt, d. h. wie verläßt sie die Mutter und was führt sie zum Vater und damit zum anderen Geschlecht?
Wie stark auch immer die erste Bindung an die Mutter ist, und mag diese auch noch so lange aufrechterhalten werden, so ergibt sich doch im Leben des kleinen Mädchens oft Gelegenheit, in seiner Liebe zur Mutter enttäuscht zu werden: so bei der Entwöhnung, bei der Reinlichkeitserziehung; auch der Neid auf die Geschwister und das Verbot der Masturbation geben Grund zur Auflehnung, doch spielen alle diese Momente auch beim Knaben dieselbe Rolle, ohne aber die Liebe zur Mutter so stark zu trüben, oder gar den Haß gegen die Mutter zu entfachen, wie es doch beim Mädchen so oft der Fall ist. Freud erklärt dies so, daß der Knabe die Haßkomponente seiner Ambivalenz bei dem Vater unterbringt und so die Mutter unambivalent lieben kann; doch liegt die Frage nahe — warum dies beim Mä