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Der psychoanalytischen Forschung ist eine gewaltige Förderung des Verständnisses des Stotterns zu verdanken. Durch den Einblick in seine bis dahin verschlossen gewesenen unbewußten Mechanismen ist erstmalig die Möglichkeit einer kausalen Therapie eröffnet worden. Die Resultate der Psychoanalyse des Stotterns sind von Fenichel zusammengefaßt worden: Es ist eine „prägenitale Konversionsneurose“, ihre Voraussetzung eine Sexualisierung der Sprachfunktion; die Störung, die die Sprache trifft, gilt der in ihr enthaltenen infantil-sexuellen Strebung. Diese hat regelmäßig prägenitalen, meist analen, dahinter oralen Charakter, ihre Ziele sind fast stets exhibitionistischer und sadistischer Natur. Einen Stotterfall psychoanalytisch aufklären heißt demnach 1. untersuchen, ob er gleichfalls dieser Formel entspricht, 2. vor allem die Verlegung prägenitaler Erotismen auf die Sprachfunktion und ferner 3. die Überibetonung bzw. Fixierung der prägenitalen Erotismen zu erklären.
Der Patient, über den ich hier berichten will, steht seit 1 1/4 Jahren in Behandlung. Er ist ein 21 jähriger Heimarbeiter, ein großer Bursch mit hübschem Gesicht. Er lahmt und trägt am linken Fuß einen Hessingschen Schienenhülsenapparat als Folge einer alten spinalen Kinderlähmung; an seiner rechten Hand sind Daumen und Zeigefinger gelähmt. Diese Lähmung stammt aus dem 17. Lebensjahr und ist neurologisch nicht ganz aufgeklärt.
Er zeigt ein tonisches Stottern mittleren Grades und daneben eine Reihe weiterer Spracheigentümlichkeiten, die wir später beschreiben werden. Nachdem viele Vorbehandlungen wegen der schweren Sprachstörung erfolglos geblieben waren, Hypnose, Elektrizität, Sprachunterricht, Atemgymnastik usw., empfahl ein Arzt als letzten Versuch eine Analyse.
Bei der Geburt war der Patient asphyktisch, entwickelte sich aber gut. Man erzählte ihm, er habe die Mutter viel gebissen, so daß sie ihn absetzen mußte. Bei der Reinlichkeitserziehung benahm sich die Mutter besonders ambivalent. Es kam wiederholt vor,