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Wenn Ferenczi noch leben würde, wäre es an ihm, über Groddeck zu schreiben. Er stand ihm als Forscher, Freund und Denker am nächsten. Ich folge nur zögernd der Aufforderung, etwas über diesen großen Arzt zu sagen, dessen Schaffen und Wirken schwer mit dem Maßstab zu messen ist, den die heutige Wissenschaft und die Sinnbegründung menschlichen Tuns zur Verfügung stellen. Die Tragweite mancher seiner Funde und Hypothesen ist nicht abzuschätzen, weil sie noch nicht genügend überprüft sind und manche überhaupt noch nicht vorurteilsfrei beim Behandeln von kranken Menschen benützt oder ausgenützt wurden.
Auch wenn man mit Groddeck des öftern zusammenkam, gelegentlich bei ihm als Gast im Sanatorium lebte und an den Baden-Badner-Patienten- und Freundesabenden teilnahm, weiß man nicht viel von ihm. Bei seiner unerbittlichen Offenheit, alles zu sagen und zu fragen, auch alles aus sich herauszusagen, ist das nicht ohne weiteres zu verstehen. Er hatte ein kräftiges, wildes Temperament und eine überzarte genialische Natur, auch sprach er seine Sprache. Es kam nicht selten vor, daß seine Worte von den Hörern — wie das Pfingstwunder vor zweitausend Jahren — erlebt und einmal verstanden wurden, ein anderes Mal nicht, dann war der Zugang zu seiner innern Welt zu schwer, weil Sprecher und Hörer an diesem Abend nicht zusammenstimmten.
Er war Schüler Schweningers, an dessen ärztliches Format er in Blick und Griff erinnerte, auch geistiger Schüler Rademachers, des Arzneiheilkünstlers, des Autors der „Erfahrungsheillehre“, dessen er nochmals mahnend gedachte und dessen Intuition er pries, als er einige Tage vor seinem Tod ini engen Kreis der Schweizer Psychoanalytiker in Zürich über seinen Weg als Arzt sprach. Später ging er seinen allereigensten Weg. Bevor er zur Psychoanalyse stieß, war er bekannt als Dichter, Romanschriftsteller und Arzt. Er setzte alle die Hilfsinstrumente beim kranken Menschen ein, die von starren Vertretern der damaligen offiziellen Medizin ungenützt blieben oder belä