You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist schon viel über die Eignung des Analytikers für seine Arbeit geschrieben worden, über die Probleme, die sich aus der Übertragung und der Gegenübertragung für ihn ergeben, auch über die besonderen Gefahren, die ihm drohen, z. B. aus der Verstärkung seiner Allmachtsgefühle oder der Erniedrigung seines Über-Ichs.
Weit weniger Beachtung hat bisher ein anderes Problem gefunden: welcher Art ist die psychische „Kompensation“ der Versagungen, die sich der Analytiker unvermeidlich auferlegen muß? Zwar ist man sich heute allgemein darüber klar, daß sich der künftige Analytiker einer — möglichst vollständigen — Analyse unterziehen muß. Genügt uns aber diese Einsicht? Es wird angenommen, daß der Analytiker imstande sei, die Richtungen seines eigenen Unbewußten zu erkennen und diese Erkenntnis so zu verwenden, daß er während des gesamten Verlaufs der Analyse Herr seiner eigenen Seele bleibe. Tatsächlich wissen wir aber, daß dieses Ideal nur bei außerordentlichen Naturen zur Wirklichkeit wird. Wir wissen, daß die analytische Situation, wie vom Patienten, so auch vom Analytiker zur Befriedigung unbewußter Wünsche ausgenützt werden kann, besonders solcher der prägenitalen und der infantilen genitalen Phase (da ja diese beiden in der Analyse des Analytikers meist nur zum Teil behandelt wurden); so kann es geschehen, daß die analytische Situation sich in einen „Schauprozeß“ verwandelt, um einen von Edward Glover gefundenen Ausdruck zu gebrauchen, und den infantilen Wunsch befriedigt, verbotene Sexualdinge zu betrachten; oder der Analytiker unterliegt der Versuchung, der Tröster und Retter zu werden — damit haben wir nur einige Möglichkeiten der mißbräuchlichen Verbildungen des analytischen Vorgangs erwähnt. Wenn aber die Analyse nicht fehlschlagen soll, muß sich der Analytiker jede Befriedigung solcher Art versagen. Überdies wird die Situation noch durch den scharfen Gegensatz erschwert, der zwischen den beiden Teilnehmern besteht.
Andauernd auf die Befriedigung zu verzichten, d