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Der Fall, über den ich berichten will, verdient Interesse schon wegen der ungewöhnlichen, durch ein ganzes Leben sich hinziehenden Häufung von zahlreichen unerledigten Konflikten und eingeklemmten Affekten, sowie auch in Hinsicht auf das bei bloßer Katharsis ungewöhnlich tiefe Eindringen in die Zusammenhänge zwischen Urkomplex und aktuellem Konflikt. Im November 1926 wurde ich morgens 7 Uhr dringend zu der 58jährigen Portierfrau Bertha X. gerufen, weil sie einen Schlaganfall mit Lähmung der linken Körperseite erlitten habe, sehr große Schmerzen leide, auch plötzlich erblindet sei und wohl im Sterben liege. Bei der ersten Inspektion lag die Frau mit der rechten Rumpfhälfte auf der äußersten Bettkante, während das rechte Bein über den Bettrand hinaus frei nach abwärts hing. Sie klagte über unerträgliche Schmerzen in der ganzen linken Körperhälfte, besonders im Arm und in der Herzgegend. Sie könne weder Arm noch Bein bewegen. Bei leiser Berührung schrie sie laut auf. Meine vor ihre Augen gehaltene Hand konnte sie nicht sehen. Die Untersuchung ließ keinen Zweifel, daß es sich nicht um echte Lähmung, sondern um Parästhesien und hysterische Konversionen handelte. An einer ihr unter die Nase gehaltenen Flasche mit Chlorkalk roch sie auf Aufforderung ohne ein Zeichen der Abwehr gleichmäßig wohl 8-10 Sekunden lang, der Geruchssinn war also ebenfalls ausgeschaltet. Da sie immer wieder um Hilfe und Beseitigung ihrer unerträglichen Schmerzen jammerte, versuchte ich, sie in Hypnose zu versetzen, vorläufig nur zur suggestiven Einwirkung.
Die tiefe Hypnose gelang leicht und schnell, mit dem Erfolge, daß sie bald ruhig und mit dem ganzen Körper im Bett liegen konnte, und daß unter ständigem Zuspruch und leisem Streichen der Stirn die Schmerzen bald nachließen, auch die Beweglichkeit der linken Extremitäten sich einstellte. In den nächsten Tagen wurde sie täglich durch Suggestion in tiefer Hypnose weiter behandelt, zugleich suchte ich durch Befragen über die Erlebnisse der letzten Ze