You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In Salem, Massachusetts, brach im Jahre 1692 eine große Hexenepidemie aus. Mädchen im Alter zwischen 10 und 26 Jahren erkrankten plötzlich neurotisch; manche begannen zu toben, andere wurden depressiv und litten an heftigen Schmerzen. Sie gaben dann an, von bestimmten Personen behext zu sein, und viele der also Beschuldigten wurden hingerichtet.
Der Autor macht uns nun mit den Methoden bekannt, die zur Heilung der Behexten verwendet wurden. Da es sich um eine puritanische Gemeinde handelte, waren die Methoden der katholischen Exorzismen ausgeschlossen. Trotzdem wird der Analytiker immer wieder verblüfft durch die weitgehende Übereinstimmung der hier tatsächlich vorgenommenen Handlungen mit den Phantasien, die er im Unbewußten der Neurotiker und Kinder nachweist, jener prägenitalen Denkwelt der Introjektion und Projektion. Alle Maßnahmen laufen auf die Annahme hinaus, daß durch die Behexung ein böser Stoff in den Körper der Behexten hineingeraten sei, dem unbewußt Samen-, Kot- oder Kindbedeutung zukommt, und der nun wieder entfernt werden oder durch einen „guten Stoff“ neutralisiert werden müsse. Jenes geschieht hauptsächlich durch Übertragung auf ein Tier oder auf die Hexe selbst — die gleichzeitig durch dieses „Berührungs-Ordal“ erkannt wird —, dieses meist durch stofflich gedachte göttliche Gnade, mit der die Kranke sich identifiziert; oder aber auch durch neuerliche Aufnahme von „Hexenstoffen“ aller Art, wobei das Ineinander von „gut“ und „böse“, „göttlich“ und „teuflisch“ charakteristisch ist. Endlich haben manche Methoden ganz den Charakter des magischen „Ungeschehenmachens“. Bei allen Zeremonien ist die Sexualsymbolik überaus deutlich. Oft spielen auch bloße Worte dank der „Allmacht der Worte“ die Rolle von Stoffen.
Merkwürdig ist, daß die Kranken deutlich nur auf Heilungszeremonien günstig reagierten, die ihnen ein Stück Aktivität, also eine männliche Identifizierung, ermöglichten, während sie Maßnahmen, die den katholischen ähnlicher waren, und bei denen sie s