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„Prasad“ zu erhalten — das heißt: das, was jemand anderer, Höherer von seinem Essen übrig gelassen hat, aufessen zu dürfen. Dies spielt in Mystik und Folklore Indiens eine große Rolle. Man wird nach dem alten magischen Satz „man ist, was man ißt“ dem gleich, dessen „Prasad“ man erhält. — Eine Analyse S.'s zeigte, daß von den Eltern „Prasad“ zu erhalten, im Unbewußten einer Introjektion der Eltern gleichgesetzt war. — Die Geliebte des Patienten, eine Prostituierte, die ihn aushielt und an die er auf Grund seines Ödipuskomplexes gegen seinen Willen gebunden war, gab ihm eines Tages ein Stück von ihrem Essen in den Mund. Das rief bei ihm einen Gefühlssturm hervor; er trennte sich von ihr und fing ein ganz neues Leben an. Die Analyse ergab, daß es ihn an eine in der Kindheit erlebte Zeremonie erinnert hatte, bei der einer schwangeren Frau — vielleicht seiner Mutter — Essen gereicht wurde, wovon sie einem Knaben etwas abgab. Der Patient hatte sich damals mit seiner Mutter und jetzt durch das „Prasad“ mit seiner Geliebten identifiziert. Diese Identifizierung schaffte die Bedingungen, die es ihm ermöglichten, sich von ihr zu trennen.
O. Fenichel (Oslo)