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Auch bei oberflächlichster Betrachtung wird man sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß das Maß an Schmerz, dem Mann und Frau bei den Fortpflanzungsvorgängen ausgesetzt sind, recht ungleich verteilt ist. Während der Anteil des Mannes an diesen Vorgängen nur in einem einzigen Akt, dem wollustvollen Koitus, besteht, da sich bei ihm die Fortpflanzungsfunktion in der erotischen Funktion erschöpft, hat die Frau periodisch die mehr oder weniger ausgebildeten Beschwerden ihrer Menstruation zu erdulden, sie erlebt schon den Beginn der sexuellen Vereinigung als den mehr oder minder blutigen Akt der Defloration, sie trägt schließlich das Kind unter Beschwerden und gebiert unter Qualen, von der zuweilen recht schmerzhaften Laktation ganz zu schweigen.
Schon die Bibel2 charakterisiert das Weib durch den mit dem Gebären verbundenen Schmerz, die Buße für die Erbsünde. Michelet3 hat die Frau „die ewig wunde“ genannt und in der psychoanalytischen Literatur hat Freud4 bei der Darstellung des Masochismus, jenes so oft abwegigen Gebildes der menschlichen Psychosexualität, dessen erogene Form mit einem „weiblichen“ Masochismus in Verbindung gebracht, während Helene Deutsch5 den Masochismus zum regelmäßigen Element der weiblichen Entwicklung erhebt, zu einem Konstitutionsfaktor, der unbedingt erforderlich ist, damit die Frau imstande sei, das Ganze ihrer von so viel Schmerzen durchsetzten Sexualität zu akzeptieren.
Eine andere Tatsache ist indessen schon bei flüchtiger Betrachtung nicht minder erstaunlich. Die Frau kann im Liebesverkehr sehr wollüstig sein, kann nach ausgedehnten und sehr bestimmten Zärtlichkeiten dürsten, die in ihrem Wesen durchaus nichts Peinliches, Masochistisches an sich haben. Die Frau ist überdies im Beischlaf selbst einer orgastischen Wollust fähig, die der des Mannes analog ist.
Man muß in diesem Zusammenhang einer besonderen biologischen Tatsache Rechnung tragen, die übrigen