You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In letzter Zeit haben sich zahlreiche psychoanalytische Arbeiten mit der Entwicklung der Genitalfunktion bei Mann und Frau beschäftigt. Ganz besonders ist ihre erste Stufe, die phallische Phase, mit Freud beginnend, sowohl von weiblichen Psychoanalytikern, wie Helene Deutsch, Jeanne Lampl-de Groot, Ruth Mack Brunswick und Marie Bonaparte, wie von männlichen wie Ernest Jones, Otto Fenichel und Sandor Rado erforscht worden.
In einer Unterredung mit Marie Bonaparte erfuhr ich von ihren Arbeiten über die „passive phallische Phase“ beim Mädchen. Dieser Begriff erleichtert mir in Hinblick auf die Entwicklung der Genitalfunktion des Knaben das Verständnis für gewisse Eigentümlichkeiten zahlreicher Männer, sowohl solcher, die unter Potenzstörungen leiden, als auch anderer.
Wir wollen uns nun kurz die gegebenen Tatsachen, und zwar vorerst auf pathologischem Gebiete, ins Gedächtnis rufen, weil gerade ihre Überbetontheit die charakteristischen Einzelheiten hervortreten läßt. Bekanntermaßen sind die Hemmungen bei einer großen Anzahl von Männern mit sexuellen Potenzstörungen, deren Erektion vorzeitig abbricht oder überhaupt nicht zustande kommt, häufig durch folgende Umstände bedingt: solche Männer versagen z. B., wenn der Partner den geringsten Widerstand äußert, oder sie können den Koitus nur vollziehen, wenn die Frau nicht nur einverstanden ist, sondern ihrerseits die Initiative ergreift.
Wie man weiß, stammt die Hemmung bei solchen Männern aus ihrer Kastrationsangst, und diese Angst wieder ist mit Kindheitserlebnissen verknüpft. Im Laufe der Analyse findet man oft, daß sie als Knaben einen Verführungsversuch bei ihrer Mutter oder deren Vertreterin unternommen haben und daß sie dabei eine Abweisung oder eine Drohung erlebten. Diese Verführungsversuche haben im allgemeinen durchaus kindlichen Charakter und entsprechen dem jeweiligen sexuellen Entwicklungsstadium. Für den nichteingeweihten Erwachsenen sind sie schwerlich als Verführungsversuche erkennbar. Der kleine Knabe sucht s