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Vor fünfzig Jahren suchte die medizinische Wissenschaft jede Störung des Organismus auf somatische, wenn möglich mikroskopisch sichtbare Veränderungen des Körpers zurückzuführen. Daraus entstanden manche uns heute absurd anmutende Theorien über die Entstehung der Neurosen. Heute befindet sich die Psychoanalyse in einer ähnlichen Gefahr nach der entgegengesetzten Richtung. In der psychoanalytischen Literatur verlangt man, soweit es sich um psychische Tatbestände handelt, minutiöse Genauigkeit, läßt aber nicht immer die gleiche Präzision walten, wenn es sich um körperliche Erscheinungen handelt. Es kann gefährlich werden, wenn sich die Psychoanalyse von dem Boden der Empirie entfernt, und ich glaube, wir sind uns im Grunde genommen alle darüber einig, daß wir ein Bild der Gesamtpersönlichkeit nur durch das Erfassen beider Seiten — der körperlichen und der psychischen — bekommen können. Der Weg der Erforschung lediglich psychischer Zusammenhänge war notwendig für die Entwicklung der Psychoanalyse zu ihrem heutigen Niveau. Die Psychoanalyse ist jetzt so weit, die Verbindung besonders mit der Physiologie des Körpers wieder aufnehmen zu können.
Der Zusammenhang von Psyche und Soma wird für uns bei zwei Phänomengruppen besonders faßbar, nämlich bei den Erscheinungen der Libido und der Angst. Ich glaube, durch die Untersuchungen, deren Ergebnis hier in Kürze vorliegt, nachweisen zu können, daß ich durch die doppelte Betrachtungsweise einen wenn auch kleinen Schritt weiter in dem Verständnis der Freudschen Angsttheorie gekommen bin. Der vollausgeprägte, akute Angstanfall beginnt mit Parästhesien. Es läuft kalt den Rücken herunter. Dann folgt ein Gefühl von Beklemmung mit Herzklopfen und Kurzatmigkeit, das zunehmend ansteigt. Gleichzeitig wächst das Gefühl von Angst, das mit dem Höhepunkt der körperlichen Sensationen seine Klimax erreicht. Ein Gefühl von Kälte erscheint, verbunden mit Zittern, Zähneklappern und Frieren. Die Haut wird blaß, fühlt sich kalt an und ist manchmal v