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gehalten vor der American Psychoanalytic Association in New York am 30. Mai 1934
Das intensive Studium eines Falles von Angsthysterie ließ erkennen, daß die Struktur der ganzen Neurose auf Märchenstoffen basierte. Angenehme und unangenehme Erinnerungen sowie Ängste der frühen Kindheit zentrierten sich um Märchen, die die Mutter dem Patienten bis zum 6. und 7. Lebensjahr erzählt hatte.
Seine nervösen Symptome und Ängste zur Zeit der Analyse gingen den Märchenstoffen, die angenehm waren und dem Patienten in der Kindheit geholfen hatten, den Ödipuskonflikt zu lösen, parallel. In der Pubertät wurden dieselben Märchen zu Angstobjekten, die den Patienten in einer ständigen Panik hielten; das Ich verteidigte sich auf diese Weise gegen die drängenden sexuellen Wünsche. Im Laufe der Analyse entwickelte er eine Reihe von neuen Ängsten, die sich auf vergessene Märchen zurückführen ließen, die nun nach und nach aus der Verdrängung auftauchten.
Es ließ sich auf Grund dieser Arbeit feststellen, daß Märchenstoffe sich nicht nur in den Träumen der Neurotiker finden, wie Freud ausgeführt hat, sondern daß sie auch sowohl in den Kinderneurosen aufzuweisen sind als auch in den Ängsten der Pubertät verwendet werden können. Daran schließen sich einige allgemeine Bemerkungen über Märchen: welche Vor- und Nachteile das Erzählen von Märchen für Kinder möglicherweise haben könne; welche Bedeutung ihnen beim Jugendlichen, der gerne Märchen erzählt oder erfindet, als Abfuhr oder Befriedigung seiner Triebe zukommt; Art und Zeitpunkt sowie die Situationen, in welchen man Märchen erzählt, werden diskutiert.