You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
gehalten auf dem XIII. Internationalen Psychoanalytischen Kongreß in Luzern (26. bis 31. August 1934).
Unser Wissen um das tiefere Wesen des Selbstmordes ist sehr dürftig. Seit der Wiener Diskussion über dieses Thema, bei der sich herausstellte, wie wenig wir darüber wissen, hat Freud mit der Arbeit „Trauer und Melancholie“ einen Beitrag dazu geleistet. Dieser letztere und Abrahams Studien über Depression sind so ziemlich alles, was wir seither darüber erfahren haben. In der Psychoanalyse ging das Bestreben vorerst dahin, die feinere Struktur jenes Mechanismus hervorzuheben, der die Wendung der Aggression, gegen das eigene Ich bewirkt, und den Selbstmord als pathologisches Merkmal zu betrachten, das mehr oder minder nur der Melancholie eigen ist. Was wir von Freud über dieses Thema gelernt haben, hat unzweifelhaft die klinische Probe auf Richtigkeit bestanden, eine Anzahl von Erscheinungen blieb jedoch ungeklärt. Eine ausführliche Untersuchung von über hundertfünfzig Selbstmordfällen, von denen vierzehn eine lange Zeit hindurch gründlich analysiert wurden, hat ergeben: 1. daß nicht alle Melancholiker dazu neigen, Selbstmord zu begehen; 2. daß nicht nur Melancholiker Selbstmord begehen, denn man findet Selbstmord ebenso in Fällen von Schizophrenie, Zwangsneurose und Hysterie; 3. daß eine Anzahl von Selbstmorden das ausdrückliche Kennzeichen von starken praktisch unkontrollierbaren Triebhandlungen trägt, ohne Rücksicht darauf, welchen nosologischen Gruppen sie angehören, sogar bei den sogenannten normalen Individuen. Es zeigt sich, daß das, was wir als das Phänomen der Selbstzerstörung anschen, nur ein Endergebnis aus verschiedenen Arten der Motivierung ist; es scheinen sich auch nicht alle Motivierungen in die klassischen Formulierungen einfügen zu wollen, die Freud in „Trauer und Melancholie“ festgelegt hat. Diese Mitteilung will in Kürze nur eine einzige Form der Mechanismen und unbewußten Determinierungen aufzeigen und den Weg weiterverfolgen, den uns Freud in s