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Die These des Hippokrates, daß der philosophische Arzt göttergleich sei, gewinnt wieder die vermehrte Beachtung des Mediziners. Das vorliegende Buch ist ein erfreulicher Ausdruck dieser Tendenz. Vielfache Auseinandersetzungen mit der Psa. rechtfertigen eine Besprechung an dieser Stelle.
Den bedeutendsten Versuch, Seelisches zu erklären, bildet heute die Freudsche Psa. Ohne auf ihre erkenntnistheoretische Grundlage hier eingehen zu können, sei nur darauf hingewiesen, daß die Psa. wie keine andere psychologische Forschung dazu beigetragen hat, sinnvolle, verständliche Zusammenhänge aufzudecken. Da sie dabei leider immer noch von „Kausalität“ und „Determination“ spreche, wäre es an der Zeit, diese pseudo-naturwissenschaftliche Einstellung aufzugeben und zuzugeben, daß die Psychoanalyse tatsächlich nichts kausal erklärt, sondern Symbole deutet, wie es dem Wesen des Seelischen einzig angemessen sei (S. 73/74). Nach der Auffassung des Autors gelten die von Freud am Unbewußten entdeckten Gesetze, die Raum- und Zeitlosigkeit, die Überdeter-minierung der Symbole, die Verschiebbarkeit der Besetzungen, die Widerspruchslosigkeit, die Bildung von Verdichtungen usw. allgemein für alles Seelische, also auch für das Bewußtsein. Heute treffen so grundverschiedene Psychologen wie Natorp und Freud zusammen: Zu dem erkenntnistheoretisch einwandfreien, aber psychologisch leeren Gebäude des ersten gibt die empirisch unendlich reiche, theoretisch aber unzulänglich orientierte Forschung des zweiten den angemessenen Inhalt (S. 90). Die freie Assoziation, wie sie in der Psa. geübt wird, stellt somit den Ur-Tatbestand jeder Psychologie dar (S. 94). Die Biologie studiert den Körper von der Seele aus. In diesem Sinne kann man sogar die Freudsche Theorie als solche als Biologie bezeichnen, während das praktische Verhalten während der analytischen Arbeit echtes psychologisches Verständnis ist — oder wenigstens sein sollte (S. 131). Die Psa. hat den Gegensatz von Geist und Seele — wie ja alles — ps