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Wilhelm Stekel (Wien) schreitet im zweiten Heft der Psychotherapeutischen Praxis mit einem Artikel „Das Phänomen der Gegenübertragung“ voran. Er erläutert die Genese der Gegenübertragung, ihre notwendige Rolle in der Kur und die Störungen, die von ihr für den Psychotherapeuten und seine Tätigkeit ausgehen. Den Sätzen, mit denen er den Artikel schließt, dürfte auch der klassische Analytiker zustimmen: „Wenn ich die Formel für die Übertragung gefunden habe, daß der Kranke den Arzt an die Stelle der wichtigsten Person seines Konfliktes setzt, so muß vice versa die Formel für die Gegenübertragung lauten, daß der Arzt seinen Patienten eine Rolle zuschreibt, die seinem Lebenskonflikt Bedeutung verleiht … Er erliegt dem Einfluß eines Tagtraumes, der nach dem Prinzip der Wunscherfüllung ihn weitab von der Realität in das Gebiet der Fiktion führt. Der Realitätskoeffizient dieser Phantasie ist meist sehr gering. Trotzdem besteht die Gefahr, Affekte und Instinkte zu mobilisieren, die den Verlauf der Behandlung stören. Ist es Aufgabe des Psychotherapeuten, den Kranken mit der Realität auszusöhnen, so muß der Arzt, auf dem Boden der Realität stehend, immer wieder das reale Ziel über alle egoistischen Regungen stellen. Und dieses ideale Ziel ist und bleibt: die Heilung des Kranken und sei es auch mit Aufopferung der eigenen Persönlichkeit.“
Paul Bjerre (Stockholm) folgt mit einem Artikel „Zur Impotenzfrage“. Er findet darin, daß „die Trägödie des Impotenten nicht im Inzest, sondern in der asexuellen Grundlage seines Gefühlslebens“ liege. Ein Beweis dafür ist ihm, daß er Patienten hatte, die bei der BerüUhrung mit dem Frauenkörper ebenso prompt mit der Erschlaffung des Penis reagierten wie der gesunde, potente Mann mit Erektion (!). Das ursprüngliche Verhältnis zur Mutter sei zu kennzeichnen als „asexuelle, undifferenzierte Zugehörigkeit“; eine Differenzierung und Sexualisierung dieses ursprünglichen Zustandes des Gefühls- und Trieblebens trete erst in der Pubertät ein. Die Impoten