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Schon verschiedentlich haben psychoanalytische Autoren, die die Depersonalisation untersuchten, auf Zusammenhänge mit einer vorangegangenen Sexualisierung der Denkfunktion ufmerksam gemacht. Oberndorf bestätigt mit einer ausführlichen und zwei kürzeren Krankengeschichten und theoretischen Überlegungen diesen Zusammenhang und sucht ihn in seinen Details zu erfassen. Bei seinem Haüptfall handelt es sich weniger um eine eigentliche Depersonalisation, als um eine ganz merkwürdige Art des „Gespaltenseins“: Die Patientin verteilte im Symptom ihr Ichgefühl auf sich selbst und ein als außerhalb ihrer Person empfundenes Ober-Ich. Die Analyse bestätigt vor allem Freuds Deutung, daß in den Fällen von multipler Persönlichkeit Identifizierungen mit verschiedenen Personen vorliegen, die miteinander nicht in Einklang gebracht werden können. Die individuelle Kindheitsgeschichte (in der u. a. eine problematische Klitoridektomie vorkommt) hat es der Patientin unmöglich gemacht, Mutter und Vater „in ihrem Innern“ miteinander zu versöhnen. Die Mutter war eine impulsive, unlogische, nörglerische autoritäre Neurotikerin, der Vater ein etwas zwangsneurotischer, überlogischer Denker. So hatte die Patientin — wie wir es häufig finden — intellektuelle Tätigkeit und männliche Sexualfunktion einander gleichgesetzt. Die Spaltung hing mit der Abwehr ihrer „Männlichkeit“ durch Projektion zusammen.
Oberndorf versucht, diesen Befund dahin zu verallgemeinern, daß er annimmt, es gäbe einen männlichen (logischen) und einen weiblichen („heniden“artigen) Denktyp, und Voraussetzung einer Depersonalisation wäre nicht nur eine Sexualisierung der Denkfunktion, sondern außerdem ein der Bisexualität entsprechender Konflikt zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit, der nach solcher Sexualisierung zwischen diesen beiden Denkarten spiele. Der Patient müsse die dem anderen Geschlecht zukommende Denkart (die Narbe der Identifizierung mit dem gegengeschlechtlichen Elternteil) verdrängen und produziere, wenn das Verdrä