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In der medizinischen Fachzeitschrift von Holländisch-Indien aus dem Jahre 1895 findet man einen Artikel des Militärarztes J. C. Blonk, betitelt „Koro“.1
Er beschreibt dort ein Krankheitsbild, das ihm vom Hörensagen bekannt wurde und bei Buginesen und Makassaren (Volksstämme der Insel Celebes) vorkommen soll. Nach ihrer Angabe fühlen die an diesem Leiden Erkrankten zuzeiten, daß ihr Penis die Neigung hat, sich in den Leib zurückzuziehen. Falls in solchen Augenblicken nicht rechtzeitig Hilfe geleistet werde, so geschehe dies tatsächlich, und der Kranke sterbe angeblich alsbald.
Aus Angst davor nehmen diese Kranken den Penis kräftig in die Hand und lassen sich, sobald ihre Kräfte sie zu verlassen drohen, durch Freunde und Verwandte helfen. Mit großem Kraftaufwand wird dieses Manöver, von Angstzuständen begleitet, stundenlang ausgeführt. Wenn dann nach Stunden oder gar erst nach Tagen der Anfall vorüber ist, fühlen die Patienten sich äußerst ermattet.
Blonk meint, daß dieser Zustand sich auf neurotischer Basis entwickelt, bezweifelt aber die Möglichkeit eines Zusammenhanges mit dem Geschlechtsleben.
In dem einen Fall, dessen er sich bei seiner Beschreibung entsinnt, handelte es sich um einen intelligenten „Djaksa“ (einen einheimischen Staatsanwalt), der ihm seinerzeit versprochen hatte, seine Hilfe anzurufen, sobald sich wieder ein Anfall zeigen würde. Dies ist jedoch niemals geschehen.
Obgleich also alle diese Angaben aus zweiter Hand kamen, müssen wir doch dankbar anerkennen, daß Blonk der erste war, der die Aufmerksamkeit auf dieses Krankheitsbild gelenkt hat.
Vorstman beschreibt im Jahre 1897 die gleiche „Krankheit“, die er in West-Borneo beobachtet hatte. Er gab diesem Leiden denselben Namen, Koro, da ein anderer an diesem Ort unbekannt war. Er hatte einen eingeborenen Radja am Fußende seiner Schlafstätte sitzend angetroffen, umgeben von seinem Gefolge, unter welchem einem alten Mann eine besondere Rolle zuzukommen schien. Vorstman begriff im Anfang die Art des Leidens n