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Frau Horney beschreibt einen in vielen Varianten auftretenden modernen Frauentyp, dessen bezeichnendes Merkmal eine „Überschätzung der Liebe“ ist, eine Pseudohypersexualität, die reaktiven Charakter trägt, da sich hinter ihr narzißtische und prägenitale Konflikte verbergen. Ihr Verhältnis zu Männern ist für sie von der größten Wichtigkeit, und doch bringen sie keine dauernde Bindung zustande; ihre Sehnsucht danach hat oft den Charakter einer „fixen Idee“, während gleichzeitige Arbeitshemmungen von den Patientinnen weit weniger bemerkt oder beachtet werden; manchmal treten diese auch erst während der Analyse in Erscheinung. Alle diese Patientinnen hatten auch eine Angst, wahnsinnig oder sonstwie „nicht normal“ zu sein; in der Übertragung waren sie oft bestrebt, der Analytikerin zu zeigen, daß sie nichts erreichen könne; erotische „Aktionen“ spielten eine große Rolle. Die Patientinnen wollten mit all dem eine Abhängigkeit von der Analytikerin vermeiden bzw. leugnen. (Sie benutzten, möchten wir sagen, Männer, um präödipale Mutterkonflikte abzuwehren.) Das unbewußte Ziel der Übertragungsaktionen war stets, die Eifersucht der Analytikerin zu erregen oder ihr, der eine Neigung zu Sexualverboten zugeschrieben wurde, zu trotzen. Die Ambivalenz zur Analytikerin ist groß, die Übertragung oft fast paranoid. Es ist die Abwehr der maskulinen (präödipalen) Homosexualität, die zum Manne treibt. Innerhalb dieser maskulinen Homosexualität aber prävalieren sadistische und destruktive Impulse. Daß diese, wie bei anderen Frauen, durch liebevolles äußeres Betragen überkompensiert würden, kommt kaum vor. — Diese enorme Rivalität gegenüber den Mutterfiguren tritt besonders in der erotischen Sphäre in Erscheinung, und zwar in der Form von Projektionen. Die Phantasie, daß zum Zusammensein mit dem Mann ein Kampf mit der Frau nötig wäre, ist Ursache der Schuldgefühle, die die Sexualität hemmen. Die weibliche Hauptfigur, letzten Endes die Mutter, ist oft durch eine ältere Schwester repräsentie