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Die Gesichtspunkte, die Freud bei dem Studium des Traumes fand, erschienen zuerst nicht nur den Fernerstehenden absurd, sondern auch den Fachgenossen fremdartig. Sie sind inzwischen allgemein akzeptiert worden und haben uns nicht nur das Verständnis der wunderbaren Struktur der Neurosen und Psychosen erschlossen, sondern auch ganz neue Aspekte für alle Gebiete des Wissens und der Kunstbetrachtung eröffnet, ja man kann sagen, unsere Auffassung vom gesamten Weltbild grundlegend verändert. So wurde die Traumdeutung zwar zum täglichen Arbeitsfeld und vielleicht zum sichersten Besitz der Psychoanalyse, sie gilt aber heute zu sehr als abgeschlossenes Thema. Seit dem Erscheinen des Standardwerkes tauchte, von den sehr bedeutsamen Arbeiten Federns abgesehen, kaum mehr ein wirklich neuer Gesichtspunkt auf. Das ist um so mehr verwunderlich, als im übrigen Lehrgebäude der Psychoanalyse kein ähnlicher Konservatismus herrscht, sondern im Gegenteil immerfort gebaut, renoviert, mitunter auch demoliert wird. Für uns alle hat sich demnach die Theorie der Traumlehre als so tragfest erwiesen, daß sie keiner neuerlichen Untersuchung oder gar Abänderung bedarf. Auch die vorliegende Arbeit hat nicht die Theorie des Traums zum Gegenstande, sondern nur die Rolle, die der Traum in der analytischen Praxis spielt. Im Laufe der vielen Jahre bin ich im Zuge meiner therapeutischen Analysen vielleicht mehr als mancher andere mit dem Traumproblem in Berührung gekommen. Denn ich bin infolge der Eigenart meines Analysandenmaterials genötigt, kurze2 Analysen durchzuführen, die zum größten Teil nur einige Monate, mitunter sogar nur einige Wochen dauern. Dadurch wurde mein Traummaterial, oder besser gesagt meine Traumkasuistik besonders groß und ich konnte daher gewisse typische Traumstrukturen öfter beobachten als viele meiner Kollegen.
Nach wie vor bildet der Traum den besten Zugang zum Unbewußten und gilt auch in den Augen der Analysanden als der unanfechtbarste. Er ist eine seelische Leistung, zu de