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Frau Baumgarten, bekannt durch ihre Arbeiten über praktische Psychologie und ihre mit Kritik durchgeführte psychotechnische Forschung, stellt, historisch und systematisch geordnet, die verschiedenen Definitionen des Charakters zusammen (Kant, Ribot, Watson, Losskij u. a.). Aus den Unvollkommenheiten der Definitionen schließt die Autorin auf die Unrichtigkeit des Ausgangspunkts von den Manifestationen der Charaktere, sie versucht dagegen von der Untersuchung der Charaktereigenschaften auszugehen. Sie sieht als das Wesen der Charaktereigenschaften an, daß sie eine Bereitschaft oder Hemmung zu besonderem Tun und Verhalten bilden. Vor allem zeigt sie die Unzulänglichkeit, Verhalten und Charaktereigenschaften zu identifizieren, denn zwischen beiden besteht kein eindeutiges Verhältnis. Es wird darauf verwiesen, daß diese Auffassung sich mit der psychoanalytischen Symptomenlehre berührt. „Freud hat auf das mehrdeutige Verhältnis zwischen Charaktereigenschaften und dem Verhalten aufmerksam gemacht, indem er in den Handlungen und Haltungen (ähnlich wie im Traum) eine Symbolik aufgedeckt hat, so daß jede Handlung zum Symptom wird. Nach dieser Auffassung kann jede Haltung, jedes Tun in seiner eigentlichen und symbolischen Bedeutung verstanden werden.“
Bei der Auseinandersetzung mit Charakterforschern zeigt die Autorin, wie nahe La Rochefoucauld, der französische Moralist , den tiefenpsychologischen Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts war, wenn er meint, unsere Tugenden seien meistens verkappte Laster. Ein besonderes Verdienst erwirbt sich Frau Baumgarten mit der Konfrontierung von Paulhan und Klages. Die Eigenmächtigkeit, mit der Klages bestimmte „elementare“ Charaktereigenschaften als „echt“ bezeichnet, wie z. B. Vorsicht und Ehrgeiz, wird als wissenschaftlich unmöglich zurückgewiesen, denn echt und unecht sind keine qualitativen Begriffe, jede Charaktereigenschaft kann echt oder unecht sein, je nach der Determinierung. Bei der Gegenüberstellung von Paulhan und Klages wird geze