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Benjamin sieht in der Schwererziehbarkeit des Kindes eines der sinnfälligsten Symptome der Zivilisationskrankheit, verwandt dem Symptom Kinderlosigkeit, Ehezerfall u. ä. Er führt die individuell und sozial bedingte Schwererziehbarkeit auf Schädigungen in der Frühkindheit zurück, ihre Hauptquelle sei falsches Verhalten des Erwachsenen und die seelische Komplikation des Kulturkindes mit dem primitiven Menschen in ihm. Der Autor zieht historische Parallelen zwischen Rom in den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt und dem Heute. Er sieht den Weg zur Vorbeugung der Zivilisationskrankheit in der Sanierung der Familie, vor allem in der Früherziehung des Kindes in Familie, Krippe und Kindergarten bei geeigneten selbsterzogenen Erwachsenen. Er fordert für seelisch kranke und abnorme Kinder psychotherapeutisch durchgebildete Ärzte, ohne dabei allzu große Hoffnung auf sie zu setzen, er meint, daß es „uns Ärzten nicht beschieden ist, bis zu den Quellen des Unheils vorzudringen“.
Der Autor erkennt zwar, wie auch in frühern Publikationen, einzelne Verdienste Freuds für die seelische Hygiene an, aber er steht zu Freud in grundsätzlichen Auffassungen der Entwicklungsgeschichte des Kindes in Widerspruch. Er wirft ihm vor, daß er keine Gelegenheit gehabt hätte, durch persönliche Anschauung das Kind genauer kennenzulernen, und daß er durch die Rückerinnerung seiner erwachsenen Patienten ein verzerrtes, unvollständiges, unwahres oder halbwahres Bild gewonnen hätte. Ein fernerer Einwand ist, daß die Psychoanalyse in die Lebensäußerungen des Säuglings und des Kleinkindes sexuelle Tendenzen hineindeute. Bei Besprechung der Trotzphase wird behauptet, daß die Grundlage und die Symptome mißdeutet worden seien. Der Autor weist ferner darauf hin, daß der Ödipuskomplex zunächst keineswegs ein sexuelles Phänomen im Sinne Freuds sei, sondern eine Ausdrucksform einer bestimmten sozialen Strebung. — Wir können aus Raumgründen nur kurz folgendes sagen: Freud und seine Schüler haben seit Veröffen