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Von einer Arbeit, die sich den Wandertrieb, dies Prototyp des triebhaften Verhaltens, zum Gegenstand der Untersuchungen gemacht hat, kann wohl eine Erörterung tiefenpsycho logischer Zusammenhänge erwartet werden. Statt dessen gibt der Verfasser eine Material sammlung, eine erneute Zusammenstellung der Symptomatologie auf Grund der bisherigen psychiatrischen Literatur, ergänzt durch einige eigene Untersuchungen und Beobachtungen. In einem gewissen Gegensatz zur bisherigen psychiatrischen Anschauung, nach der der Wandertrieb lediglich ein psychopathologisches Syndrom ist, werden hier auch Erscheinungs formen des Wandertriebes in die Untersuchung mit hineingezogen, die nach Ansicht des Verfassers noch in das Bereich der Norm gerechnet werden müssen. Anschließend wird ein Versuch unternommen, die Motive des Wanderns aufzudecken: Drang nach Freiheit und Ungebundenheit, Drang nach Bewegung und in die Weite, triebhaftes Verlangen nach Ver änderung und Neuem werden angeführt. Gesteigerte Motorik, Fortfall von „Angsthemmun gen“ und „sexuelle Antriebe“ können einen latenten Trieb zu manifesten Handlungen aktivieren.
Eine solche symptomatologische Schilderung wird als Ursachenforschung verkannt, gelegentlich wird noch der alles erklärende Konstitutionsbegriff herangezogen oder auch auf eventuelle soziologische Bedingungen andeutungsweise hingewiesen. So kommt es, daß dem an sich interessanten Material und dem doch wirklich verlockenden Thema keine neuen Seiten oder Erkenntnisse abgewonnen werden. Es fehlt jeder Hinweis auf die unbewußten Motive des normalen und krankhaften Wanderns, nichts wird verständlicher oder verstehbar. Es fehlt jeder Hinweis auf die innere Verwandtschaft des triebhaften Wanderns mit den Zwangshandlungen, oder mehr noch mit der Süchtigkeit, auf die sekundäre Sexualisierung des Wanderns, das ursprünglich Schutz und Flucht vor der Triebgefahr bedeutete. Auch die offenbaren, nunmehr bald auch dem Nichtanalytiker sichtbaren Zusammenhänge zwischen Wandern und