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Die Aufgabe des Buches ist es, den als einheitliche Krankheitsbezeichnung unhaltbar gewordenen Begriff „Kopfschmerzen“ aufzulösen und an seine Stelle einen neuen Begriff zu setzen, der unter Kopfschmerzen lediglich ein Symptom verschiedenartigster Krankheiten verstehen will. Diesen Bemühungen um immer verfeinerte differentialdiagnostische Genauigkeit stehen fortlaufend praktische Vorschläge zu einer kausalen rationellen, im wesentlichen internistischen Therapie zur Seite. Vom Standpunkt des Praktikers werden klar und sachlich, dabei anschaulich und lebendig die Kopfschmerzen verschiedenartigster Genese dar gestellt: bei Schädeltraumen, bei Erkrankungen der Hirnhäute, bei intrakraniellen Neurbildungen, bei Gefäßerkrankung, als Folge von neuritischen, allergischen, toxischen, vaso motorischen Prozessen. Die Darstellung des psychogenen Kopfschmerzes und der Migräne ist recht kurz; immerhin werden sie in einem gesonderten Kapitel erwähnt, wobei auf die Möglichkeit der seelischen Verursachung und Behandlung, in schwierigen Fällen sogar durch Psychoanalyse, hingewiesen wird. Es fragt sich, ob eine doch wohl schon einseitige Beschränkung auf Physiologie und Somatologie und ein so weitgehender Verzicht auf die Darstellung tiefenpsychologischer und genetischer Auffassungen bei einem nach beiden Seiten so schwer abzugrenzenden Gebiet, wie es die Kopfschmerzen sind, heute noch berechtigt ist, und ob nicht auch dem Praktiker damit gedient wäre, wenn seine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Möglichkeit eines intrakraniellen Neoblastoms hingelenkt würde, sondern vielleicht auch noch auf das, was seinen Patienten aus ganz anderen Gründen im wahrsten Sinne des Wortes „Kopfschmerzen“ machen könnte.
M. Grotjahn (Berlin)