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Wir wissen, daß die männlichen Perversionen der unbewußten Absicht dienen, die Kastrationsangst zu leugnen, und zwar meist dadurch, daß sie die Existenz penisloser Wesen zu leugnen versuchen. Der männliche Homosexuelle macht dies, indem er nur Wesen mit Penis lieben kann und deshalb sich selbst mit seinem ursprünglichen Liebesobjekt (seiner Mutter) identifiziert; der Fetischist, indem er in symbolischer Form das Vorhandensein des Penis bei seinem Objekt fordert; der Transvestit, indem er beides zugleich macht: er agiert eine phallische Frau, um sich zu überzeugen, daß er sich femininen Wünschen hingeben darf, ohne sich der Gefahr der Kastration auszusetzen; der „Zopfabschneider“, indem er zwar die Kastration selbst zu einem Sexualziel gemacht hat, aber eine reversible Kastration, die ihn von der Existenz des weiblichen Penis überzeugt.
Bunker berichtet ausführlich, klar und überzeugend die analytische Krankengeschichte eines sexuell und auch sonst schwer gehemmten, prägenital fixierten Neurotikers, der, unter der Herrschaft einer schweren Kastrations- (und Todes-) Angst, von all diesen Mechanismen etwas aufwies. Im Vordergrund des Bildes stand seine Identifizierung mit einer phallischen Frau. Das Merkwürdige war nun, daß der „weibliche Penis“ in seinen fetischistischen Handlungen — abgesehen von starken haarfetischistischen Neigungen — in zweierlei Weise hervortrat: Er liebte Schuhe und Stiefel — und verhielt sich in dieser Beziehung wie jeder Schuhfetischist (er liebte es aber auch, die bewunderten Stiefel anzuziehen und sich darin sehen zu lassen); aber er liebte und sammelte auch Grammophonplatten mit den Stimmen von Sängerinnen und phantasierte viel von allen großen Sängerinnen und Schauspielerinnen, mit denen er sich, so Schautrieb und Exhibition verdichtend, identifizierte. Die weibliche Stimme war ihm zu einem Fetisch geworden, dem die gleiche Bedeutung zukam wie allen Fetischen: die des mütterlichen Penis, dessen Existenz die Kastrationsangst widerlegen soll.