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Aus der neurologisch-psychiatrischen Klinik der Wiener Universität Vorstand Prof. Dr. O. Pötzl
M. D. u. H.! Ich möchte versuchen, Ihnen einiges über Verhaltungsweisen des Ichs bei Hirnkranken zu berichten. Diese Erörterungen werden uns in das Gebiet der Triebstörungen führen. Ein Bericht über Reaktionen des Ichs bei Hirnkranken kann nur einzelnes aus der Fülle des Materials herausgreifen, vieles nur skizzieren, denn es handelt sich ja nicht um Ergebnisse exakter analytischer Forschungsarbeit. Ob trotz dieser unvermeidlichen Mängel das vorgebrachte Material einen Gewinn für die Wissenschaft darstellt, sollen Sie beurteilen.
Von drei Seiten treten Aufgaben und Gefahren an das Ich heran: von der Außenwelt her, vom Es und vom Über-Ich. Der an dritter Stelle genannte Wirkungskreis scheidet vorläufig für unsere Betrachtung aus und soll Gegenstand späterer Untersuchungen sein. Untersuchungen über die Funktionsänderungen des Ichs bei Hirnkranken werden besonders dadurch erleichtert, daß die topische Betrachtung der Psychoanalyse Beziehungen zur Topik des Gehirns aufzuzeigen erlaubt. Die wesentlichsten Ich-Funktionen werden in die Hirnrinde verlegt, die zwischen der Außenwelt und den phylogenetisch alten Hirnteilen liegt. Diese Hirnteile dürfen wir mit gutem Recht als die Hirnapparate des Es bezeichnen. Tatsächlich finden wir in jedem Lehrbuch die Hirnkrankheiten bis zu einem gewissen Grade geordnet nach den Störungen der Perzeption und der Motilität, der beiden hauptsächlichen Ich-Funktionen, also nach denselben Gesichtspunkten, nach denen eine psychoanalytische Betrachtung der Hirnkrankheiten den Stoff gliedern müßte.
Bei Störungen im Bereich des Wahrnehmungsapparates, also des sensiblen und sensorischen Systems, ergibt sich, grob skizziert, folgende Gesetzmäßigkeit: Je peripherer die Störung sitzt, um so weniger tiefgreifend die Reaktion