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Die folgende Arbeit will nichts prinzipiell Neues bringen. Sie will lediglich verschiedene der Psychoanalyse bereits bekannte Tatsachen miteinander verknüpfen und kommentieren.
Eine solche bekannte Tatsache ist die Wirksamkeit der symbolischen Gleichung Schauen = Fressen. Wenn jemand ein Objekt anstarrt, sagt man, er wolle es „mit den Augen verschlingen“. Ähnliche Redensarten gibt es eine ganze Reihe. Besonders bei einer bestimmten Form des Schauens ist diese unbewußte Bedeutung psychoanalytischen Autoren aufgefallen. Strachey hat in einer ausführlichen Arbeit, ausgehend von der Pathologie des Lesens (Lesehemmung und Leseleidenschaft) klargestellt, daß eine unbewußte Beteiligung beim Lesen immer der Vorstellung entspricht, die gelesenen Sätze, Worte oder Buchstaben wären Gegenstände, die man frißt.1 Ich wies zu seiner Bestätigung auf das vielsagende Gedicht von Morgenstern hin:
Korff erfindet eine Mittagszeitung,welche, wenn man sie gelesen hat,ist man satt …
Aus den Ausführungen von Strachey ergibt sich aber auch, daß die Vorstellung des Fressens, die dem Lesen im Unbewußten zugrunde liegt, wirklich eine sadistische Einverleibung mit allen Eigenschaften ist, die wir auch sonst an ambivalenten oralen Einverleibungstendenzen kennen. Diese Deutung ermöglicht es, einige Typen von libidinösem Lesen sofort zu verstehen. Wenn das Lesen eine Einverleibung ist, so will das von so vielen prägenital fixierten Menschen leidenschaftlich geübte Lesen am Klosett das Gleichgewicht des Ichs erhalten: während Substanz verlorengeht, muß durch die Augen neue zugeführt werden. — Wenn oralerotische Menschen mit ähnlicher libidinöser Beteiligung bei jeder Nahrungsaufnahme lesen müssen, ist das schon weniger einfach. Man muß annehmen, daß ihre Oralerotik, wenn sie gereizt wird, Befriedigung auf zweierlei Wegen verlangt.
Auch sonst ist Material dafür bekannt, daß Ansehen die unbewußte Bedeutung von Fressen haben kann. Der Wolf im Rotkäppchen erklärt hintereinander, er habe so große Augen, dam