You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Unter Originalarbeiten des ersten Heftes von Band 2 erscheint als erste ein Artikel von Artur Kronfeld (Berlin), betitelt „Zur Psychologie des Süchtigseins“. Als wesentlichste der Wunscherfüllungen, die die Rauschgifte vermitteln, erscheint Kronfeld die rauschbedingte Scheinwirklichkeit, „in welcher das Ich, von seinen Einschränkungen und Grenzen entlastet, sich stolz oder liebend erhöht und ausweitet“. Es werde durch den Rausch ein Ventil für alle verdrängten Bedürfnisse oder Triebe und für das Selbstgefühl geschaffen und eine Regression auf die Entwicklungsstufe des Säuglings bewirkt, der nach dem Stillen lustvoll-selig einschläft. Die Ursachen des süchtigen Strebens nach dieser Wunscherfüllung zu ermitteln, bringt Kronfeld sechs kurze Krankengeschichten von schweren Gewohnheitstrinkern, weitere drei von Dipsomanien, und drei von Morphinisten und Kokainisten, und ermittelt aus ihnen, daß die Süchtigen einen dauernden inneren Konflikt mit sich herumtragen, den sie nicht zu lösen vermögen; der Rausch bringe eine fiktive Behebung des inneren Konflikts mit sich. Der Autor findet alle Süchtigen auch mit sonstigen neurotischen Symptomen behaftet, die aber als Abwehr- und Fluchtmaßnahmen nicht genügen. Das Süchtigsein bedeute eine intensivere Schutz- und Abwehrfunktion als die Zwangsneurose und Perversion. Von der Neurose unterscheidet sich die Sucht durch die tiefere Regression in die enthemmte Trieblustsphäre und narzißtische Erhöhung und Ausweitung des Ichs innerhalb einer wunschbedingten Scheinwelt. Kronfeld betrachtet die Süchtigen als verhinderte, gehemmte Abenteurer, innere Spieler, die Tendenz der Süchtigen zum Schlaf als eine verkappte Todestendenz. Auf solche Charakterstrukturen scheint Kronfeld überhaupt besonderen Wert zu legen (siehe den Artikel Ösophagusneurosen, Band I der Zeitschrift, Heft 1.) Als Grundlage des psychischen Konflikts der Süchtigen findet Kronfeld eine besonders innige Mutterbindung mit besonders schwer und nachhaltig empfundener Enttäuschu