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Das vorliegende Buch beansprucht unsere Aufmerksamkeit aus dreifachem Grunde. Es bringt uns erstens einen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Weibes, zweitens eine neue Angsttheorie und drittens Ansätze zur Begründung einer neuen allgemeinen Neurosenlehre. Es erscheint schwierig, zu einer Arbeit, die so weite Problemkreise berührt, Stellung zu nehmen. Wir dürfen uns aber eine Erleichterung davon erwarten, daß Rado erstens die beiden letztgenannten Theorien an seiner Auffassung über die Entwicklung des kleinen Mädchens darstellt, und daß zweitens ein einziges Triebgeschehen, nämlich der Masochismus, zum Grundpfeiler aller drei Theorien gemacht wird. Die Psychoanalyse war seit jeher weit davon entfernt, die Bedeutung des Masochismus für das menschliche Seelenleben zu unterschätzen. Freud hat an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, daß der Masochismus eine besondere Beziehung zur Feminität hat, und demnach sowohl in der Entwicklung der Frau, als auch in jenen Phänomenen im Seelenleben des Mannes, die auf passiven femininen Tendenzen beruhen, eine bedeutende Rolle spielen muß. Weiter verdient der Masochismus unsere Aufmerksamkeit schon deshalb, weil er als selbständige Perversion auftreten kann und schließlich ist er als treibende Kraft im Lebensverhalten vieler Menschen, insbesondere von Neurotikern, von größter Bedeutung (Freuds moralischer Masochismus). Die analytische Therapie führt uns immer wieder die Intensität und die geringe Beeinflußbarkeit dieses mächtigen Triebgeschehens vor Augen. Es ist sicherlich ein Verdienst Rados, auf diese Tatsachen neuerdings aufmerksam gemacht zu haben. Manche seiner Schilderungen der weiblichen Neurosen (Phobien und Angsthysterien), der Charaktereigentümlichkeiten der Frau, der Äußerungen des Männlichkeitskomplexes sind glänzend gelungen, eindrucksvoll und reich an Anregung. Die Einfachheit seiner Angsttheorie hat etwas Bestechendes. Wenn man sich aber daran erinnert, wie kompliziert das seelische Geschehen ist, und wie vie