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M. D. u. H.! Ich beabsichtige nicht, das ganze Problem der Homosexualität hier aufzurollen. Wie Sie wissen, ist dieses Problem sehr kompliziert; Freud selbst sagt, daß die Psychoanalyse nicht dazu berufen ist, es zu lösen, da die Homosexualität im Grunde organischer Natur sei. Damit wollte er aber nicht sagen, daß die Psychoanalyse nichts zur Aufklärung der Psychologie der Homosexuellen beizutragen habe. Im Gegenteil, das Wesentliche, was wir über die Dynamik des Triebablaufes bei den Homosexuellen wissen, stammt von der Psychoanalyse.
So haben wir von Freud gelernt, daß die Faktoren, die zur männlichen Homosexualität führen, sehr zahlreich sind. Ich will nur die bestbekannten anführen, wie Mutterbindung, Identifizierung mit der Mutter, Neigung zu narzißtischer Objektwahl — dazu gehört auch die Hochschätzung des männlichen Genitales —, ferner Angst vor dem Vater, also Kastrationsangst. Zuletzt und vielleicht zutiefst wird die Homosexualität durch passiv-anale Einstellung zum Liebesobjekt begünstigt.
Aus der Vielzahl der verursachenden Faktoren allein folgt schon theoretisch die Erwartung, daß es mehrere Typen von Homosexuellen geben muß, und die Erfahrung bestätigt auch diese Erwartung. Ein Typus flüchtet aus Inzestscheu vom Weib zum Manne, ein anderer Typus identifiziert sich mit der Mutter und sucht im Knaben seinesgleichen (er liebt den Knaben, wie ihn die Mutter einst geliebt hatte). Dieser Typus zerfällt nach Ferenczi in zwei Untertypen: a) die Männlichkeit wird beibehalten (Objekt-Homoerotik); b) die Männlichkeit wird aufgegeben (Subjekt-Homoerotik). Freud hat noch einen anderen Typus beschrieben, der durch Einschränkung der Aggression gegen die Brüder oder den Vater entsteht.