You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die psychoanalytische Methode hat in den letzten Jahren die Untersuchungen über die Psychologie der Frau weitgehend gefördert und uns damit einer Reihe von Problemen gegenübergestellt, die mit der Verschiedenheit der Geschlechter eng verknüpft sind.
Wir sind gegenwärtig noch nicht in der Lage, alle diese Probleme zu lösen, aber wir können unsere Beobachtungen festhalten, abweichende Ansichten zusammenfassend erörtern und damit die Aufmerksamkeit auf diejenigen Punkte lenken, die noch ungeklärt sind und weiterer Untersuchung harren.
Natürlich gibt es viele verschiedene Ausgangspunkte für eine Psychologie des Weibes. Wenn wir den Weg der psychischen Entwicklung des Individuums in die Vergangenheit zurückzuverfolgen versuchen, sind wir bald gezwungen, auf andere Untersuchungsgebiete, besonders auf das der Biologie, überzugreifen. Wahrscheinlich ist die unmittelbare Anwendung biologischer Begriffe auf die Psychologie in mancher Hinsicht von ausgesprochenem Nachteil, da uns die Art des Zusammenhanges von seelischen und physischen Prozessen völlig undurchsichtig bleibt. Das Vorhandensein einer Verbindung zwischen den beiden zeigt sich Tag für Tag dem beobachtenden Auge des Psychotherapeuten, aber bis heute ist es noch keinem Psychologen, Physiker oder Biologen gelungen, auf die Struktur oder die Natur derselben viel Licht zu werfen.
Der biologische Begriff der Bisexualität geht von der Tatsache aus, daß rudimentäre männliche Sexualorgane im weiblichen Körper vorhanden sind, ebenso wie rudimentäre weibliche Sexualorgane im männlichen. Die Psychologie hat die Auffassung von der Bisexualität übernommen und neigt leider dazu, ihre Bedeutung dadurch einzuschränken, daß sie Aktivität mit Männlichkeit und Passivität mit Weiblichkeit gleichsetzt. Die Biologie ist weniger willkürlich und entgeht daher der Gefahr, die Dinge weiter zu komplizieren. Die entsprechenden Betätigungsformen der beiden Geschlechter wurden teils bei verschiedenen Gattungen, teils bei verschiedenen Si