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Die Diagnose der Amentia ist in der Psychiatrie unsicher. Ich vermeide es daher, die Benennung Amentia im engeren Sinne zu gebrauchen und spreche in den drei im folgenden mitgeteilten psychoanalytischen Krankengeschichten nur von amentia-ähnlichen Zuständen.
Meynert faßt eine Reihe akuter Geisteskrankheiten unter dem Namen Amentia zusammen. Aus diesem Konglomerat von Krankheitsbildern ist die Amentia Kraepelins besonders zu beachten. In der älteren Auffassung Kraepelins2 ist die Amentia eine akute Geisteskrankheit, die eine faßbare, äußere Ursache hat: Erschöpfung, Blutverlust, schwere Krankheit oder Kindbett. Später bezeichnet er in erster Linie die Infektionskrankheiten als ätiologische Faktoren, während die Erschöpfung nicht mehr betont wird. Auch in der Auffassung Kraepelins ist die Amentia ein Sammelbegriff, im wesentlichen für exogene Reaktionsformen; die Prognose ist günstig, da ja mit dem Schwinden der vorausgesetzten Ursache die Heilung eintritt. Aus diesem Grund ist die Diagnose auch von praktischer Bedeutung. Die charakteristischen Symptome sind: Desorientierung, traumartige Verwirrtheit, Illusionen und Halluzinationen, an Deliriumzustände erinnerndes Fabulieren, Gedankenflucht, motorische Unruhe, wechselnd mit Ideen-Stocken, Hemmungen, Stupor. Die Kranken haben Angstzustände, sind ratlos, in immer wechselnder Stimmung, nicht selten arg verstimmt. Die körperlichen Symptome sind hauptsächlich Temperatur- und Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, verlangsamter Puls. Vollkommene Heilung erfolgt frühestens in ein bis zwei Monaten und wird zumeist durch Gewichtszunahme eingeleitet. — Bleuler3 versteht unter Amentia einen länger andauernden Zustand, der den Eindruck einer selbständigen Krankheit macht, die in ihren Symptomen von den Dämmerzuständen und Delirien schwer zu unterscheiden ist. In der Ätiologie nennt er Infektionskrankheiten, Kindbettfieber, chronische Nierenkrankheiten. Seiner Meinung nach handelt es sich um jene Erkrankungen, die von Verwirrtheitszust