You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die in der vorliegenden Schrift niedergelegten Anschauungen über die Pathogenese setzen die in verwandter Richtung liegenden Forschungsergebnisse der Analyse von Organneurosen fort. Die Darstellung der Krankengeschichten zeigt, daß hier der Wert auf eine vom Autor sogenannte biographische Pathologie gelegt wird. Es werden die Phänomene nicht statistisch geordnet, sondern es wird der Psychogenese organischer Krankheiten nachgespürt. Doch lehnt sich der Verfasser gegen einen betonten Psychologismus auf und erklärt, daß die Ereignisfolgen der Krankheit ebenso nach moralischen als nach geistigen Kräften bestimmt sind und nicht nur nach seelischen.
Im ersten Abschnitt der Abhandlung bringt der Autor 13 aphoristisch dargestellte Krankengeschichten von Patienten mit Angina tonsillaris, bei denen als Ursache der Entstehung ein psychisches Trauma oder ein erotischer Konflikt nachgewiesen wird. Die Angina tritt an Stelle der Konfliktlösung und heilt ab, wenn die Lösung des aktuellen Konflikts durch die Erkrankung gelungen ist. In den ersten 8 Fällen ziehen die Erkrankten einen so befriedigenden Gewinn aus der Krankheit, daß sie, nach Angabe des Autors, nachher froh und glücklich sind. Dem auslösenden Faktor der Erkrankung gibt der Autor den Namen „gekränkter oder getäuschter Eros“. Die Krankheit wird „in den Rahmen eines Dramas eingefügt und gehört dazu“.
In einem Falle führte die Angina zu einer Allergie, die in Form einer Urticaria als orgastisches Äquivalent sich deuten läßt. Die Formulierung, daß das organische Symptom, hier die Angina, eine lokale Verschiebung der Sexualempfindung von der genitalen auf eine andere Zone darstellt, wobei diese Verschiebung den Wert einer Neurose erlangt, ist analytisch an vielen Orten und in ähnlicher Weise ausgedrückt worden.
In 2 Fällen wird das Thema illustriert, daß das organische Symptom nicht nur aus einer realen, aktuellen, traumatischen Situation hervorzugehen braucht, sondern daß „das Drama“ sich endopsychisch abspielen kann. Damit m