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Die Blutdruckkrankheiten, und zwar die Hypertonie, werden als Ausgangspunkt benutzt, um an ihnen beispielhafte Methoden und Ansichten einer „Psychiatrie auf pathophysiologischer Grundlage“ zu entwickeln. Im wesentlichen wird eine Symptomatik der Seelenstörungen bei Hypertonikern gegeben. Es finden sich Absenzen, ängstlich-triebhafte und ekstatische Dämmerzustände, hyperkinetische und akinetische Psychosen, Halluzinosen und delirante Zustände, paranoide und depressive Verstimmungen sowie Wesensveränderungen. Eine differentialdiagnostische Abgrenzung gegen seniles und klimakterisches Irresein und gegen arteriosklerotische Psychosen gelingt nur sehr unvollkommen, obwohl in „reinen“ Fällen ein prinzipieller Unterschied zwischen Arteriosklerose und Hypertonie angenommen wird. Es wird eine „extrazerebrale“ Disposition zur Hypertonie vermutet, eine mögliche Psychogenese nur kurz erwähnt: „Auch die sogenannte affektive Blutdrucklabilität ist Ausdruck einer bestimmten Konstitution.“ Der „vasale Faktor“ wird zu analysieren versucht, ohne daß wirklich neuartige Erkenntnisse gefördert würden. Es bleibe dahingestellt, ob die Auffassung von den Besonderheiten einer „funktionell-zirkulatorischen Syndromengruppe“ mehr bedeutet als einen terminologischen Versuch im Rahmen „strukturanalytischer Methoden“.
M. Grotjahn (Berlin)