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Ich möchte Sie in ein Aufgabengebiet führen, auf dem seit etwa einem Jahnzehnt unter der Führung Freuds lebhafte Auseinandersetzungen stattgefunden haben. Es handelt sich um die Frage des Entwicklungsweges der weiblichen Sexualität, insbesondere um die Erscheinung des Penisneides und zwar in ihrem Zusammenhang mit der ersten Objektbesetzung des Mädchens.
Was ich Ihnen heute zu diesem Fragekomplex zu bieten habe, ist im Kern ein Gedanke, auf den ich stieß, als ich mir mein zunächst anders gestelltes Thema für den heutigen Tag überlegen wollte. Dieser Gedanke überraschte mich ebensosehr, wie er mich fesselte und mich zu näherer Beschäftigung mit ihm antrieb. Es scheint mir, daß er geeignet ist, sowohl die Eindrücke und Vorstellungen, die ich in den letzten 1-1 ½ Jahrzehnten meiner analytischen Arbeit an Erwachsenen und Kindern zu diesem Thema gewonnen habe, als auch das umfassende Material, das uns allen zur Frage der weiblichen Entwicklung bekannt ist, von einem — nach meinem Eindruck — entscheidenden genetischen Ausgangspunkte aus zu klären. Sollte dieser Gedanke Sie zunächst fremd, überflüssig oder zu gewagt anmuten, so lassen Sie sich bitten, ihn zumindest als eine Arbeitshypothese anzusehen. Und prüfen Sie mit mir in der Folge, ob diese sich als fruchtbar erweist.
In der „Neuen Folge der Vorlesungen“ erklärt Freud: „Es hat sich bei manchen Analytikern die Neigung ergeben, jenen ersten Schub von Penisneid, in der phallischen Phase, in seiner Bedeutung herabzudrücken. Sie