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Das Buch dient der Aufgabe, dem praktischen Arzt und dem Medizinstudenten die notwendige Kenntnis der neueren Seelenheilkunde zu vermitteln. Es dient aber auch zweitens der Aufgabe, „quer durch die Schulstreitigkeiten der verschiedenen Psychotherapeutischen Systeme hindurch zu einer einheitlichen Auffassung sowohl der seelischen Krankheiten wie auch der Heilungsprozesse vorzustoßen“. In diesem Sinne werden erst systematische Darstellungen der verschiedenen Erkrankungen („Charakterpathologie“) gegeben und dann die seelischen Heilverfahren („Charaktertherapie“) geschildert. Ihre Bedingungen, Wege und Hindernisse, „harter und weicher Widerstand“, Erziehungs- und Lebensberatung werden veranschaulicht, sodann geht es in den „Kampf gegen den äußeren Feind (Methode Adler)“, zum „Kampf gegen den inneren Feind (Methode Freud)“ zum siegreichen „Friedensschluß innen und außen (Methode Jung)“. Der „Materialismus Freuds und der Rationalismus Adlers“ mußten wegfallen, am wenigsten brauchte der Jungsche Standpunkt verändert zu werden: er scheint den gestellten Ansprüchen am ehesten zu entsprechen. Die Grundbegriffe der „dialektischen Charakterkunde“ stammen vom Verfasser selbst und sind bereits in seinen Büchern, wie „Einführung in die Charakterkunde“ (8. Auflage) und „Die Arbeit am Charakter“ (18. Auflage), enthalten. Sie gipfeln in der besonderen Auffassung und Betonung von „Subjekt“ und „Objekt“, Ichhaftigkeit und Wirhaftigkeit. Hingewiesen sei auf die Ausführungen über „Wirbruch“ und „Wirfindung“, „Urwir“ und „Scheinurwir“. Die Bücher Freuds werden bedingt empfohlen, denn „wichtig ist doch auch die Verselbständigung des eigenen Urteils und die Übernahme der persönlichen Verantwortung, ohne die die ärztliche Arbeit niemals gedeihen kann.“
M. Grotjahn (Berlin)