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Das Kleinkind erlebt den Zeitablauf anders als der Erwachsene. Er entsteht durch Erlebnisse, die sich wiederholen und dabei allmählich bekannt werden. Wenn ein solches Erlebnis ausbleibt, so daß das Kind warten muß, d. h. wenn „die Zeit des Kindes“ und „die Zeit der Mutter“ nicht mehr korrespondieren, so tritt eine Störung im Zeitablauf ein. Das Kind beginnt zu schreien. Bzgl. der Psychologie des Schreiens und der Erschöpfung, zu der es führt, beruft sich die Autorin auf Miß Searl und meint, daß solche Erschöpfung die Zeit sozusagen außer Funktion setzen und das Gefühl bringen könne, alle Befriedigung, die dann doch noch erfolge, komme zu spät. Zeitkontrolle könne nach solchem Erleben eine Maßnahme (neben andern) sein, um die Wiederholung solcher Warte- und Erschöpfungserlebnisse zu verhindern. Nach dem Erleben des Gestilltwerdens sind dabei besonders die Exkretionsfunktionen ausschlaggebend.
Die Analyse einer arbeitsgehemmten Musikerin bot in dieser Hinsicht interessantes Material. Sie empfand sich als kleines Kind von der Mutter vernachlässigt und meinte (woran das reale „zeitlose“ Verhalten der Mutter schuld war), daß die Mutter allen Zeit schenke, nur nicht ihr. Die „Zeit“ war dabei konkret und substantiell gedacht, so wie das primitive Denken ja überhaupt keine Abstrakta kennt und alles konkret nimmt. Die Mutter, so empfand sie, brauche alle Zeit auf und gebe ihr keine, so daß für sie nichts übrig bleibe. Es galt die symbolische Gleichung: Zeit = konkrete Substanz = Essen. Hinter ihrer zeitlichen Desorientiertheit steckte orale Begehrlichkeit, die durch Versagung besonders sadistisch geworden war. Infantile Wartezeiten (letzten Endes wohl: auf die Stillung) waren verdichtet mit Urszenenerlebnissen. Die Patientin phantasierte u. a., sie möchte alle Minuten und Stunden, die ihre Mutter sie hatte warten lassen, sammeln und sie ihr auf einmal ins Gesicht schleudern. Eine solche Rachegelegenheit gab ihr vor allem die Reinlichkeitserziehung. Die dabei obwaltenden Zeit