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Bei der Analyse eines Transvestiten1 habe ich festgestellt, daß dieser Perversion die unbewußte Phantasie des Patienten zugrunde lag, ein Mädchen mit einem Phallus zu sein. Hat — schematisch gesprochen — der Homosexuelle sich mit seiner Mutter identifiziert, der Fetischist aber den Glauben an den Penis der Frau nicht aufgegeben, so gilt für den männlichen Transvestiten beides: er identifiziert sich mit einer Frau, an deren Penisbesitz er weiterhin glauben möchte.
Mein Patient agierte dieses phallische Mädchen, um femininen Wünschen nachgeben zu können, denen eine intensive Kastrationsangst entgegenstand. Die Angst sollte durch die perverse Praktik widerlegt werden. Diese hatte, sagte ich, den Zweck, dem Objekt gleichsam zu sagen: „Liebe mich wie die Mutter (oder wie die Schwester), es ist nicht wahr, daß ich dadurch meinen Penis gefährde.“ Ich konnte wahrscheinlich machen, daß das der Sinn des transvestitischen Tuns überhaupt ist. Es ist ein Kompromiß zwischen femininen Wünschen und entgegenstehender Kastrationsangst, oder — da die Kastrationsangst ja die Folge der hohen narzißtischen Einschätzung des eigenen Penis ist — zwischen femininem Wunsch und narzißtischem Penisstolz. Das exhibitionistische Verhalten solcher Patienten hat also den Doppel-sinn: „Ich will mich meines Penis wegen sehen und bewundern lassen“ und: „Ich will mich als schönes Mädchen sehen und bewundern lassen“. (Als das wichtigste akzidentelle Moment des Transvestitismus bezeichnete ich damals den Umstand, daß die Identifizierung mit der Mutter meist gleichzeitig in einer mehr oberflächlichen Schicht eine mit einem kleinen Mädchen ist.) Diese objektiv einander widersprechenden Tendenzen sollen gleichzeitig Ausdruck finden. Über ihr Verhältnis zueinander ist damit noch nichts ausgesagt. Es könnte sowohl so wie beim „Wolfsmann“ zugehen, daß einer relativ primären femininen Sehnsucht die Erkenntnis „die Befriedigung dieses Wunsches würde den Penis kosten“ entgegentritt,2 als auch so, daß ein Ursprung