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Zu den ersten grundlegenden Beobachtungen Freuds gehört die Entdeckung, daß der Neurotiker auch im erwachsenen Alter an seine Eltern seelisch stark gebunden ist, sich von deren Autorität nicht befreien kann, so daß er in seiner seelischen Entwicklung gehemmt wird und infantil bleibt. In den „Drei Abhandlungen“ nennt Freud diesen Zustand „inzestuöse Fixierung“ und betont dessen zentrale Bedeutung für die Neurosenlehre. Der Ausdruck „inzestuös“ bezieht sich zwar auf die Ödipussituation, doch gebraucht hier Freud eine andere Bezeichnung, weil er nicht nur den Ödipuskomplex meint, sondern viel mehr umfassen will, — außer der ödipussituation z. B. auch noch das Verhältnis zu den Geschwistern sowie die Phantasien über die Abstammung, den sogenannten Familienroman, — kurz all das, was in jener Zeit von der Familiensituation des Kindes bekannt war.
In den „Beiträgen zur Psychologie des Liebeslebens“ schildert Freud die verschiedenen Erscheinungsformen der inzestuösen Fixierung und deren seelische Folgen. Rank beschäftigt sich mit den inzestuösen Phantasien der Einzelnen sowie der Völker. Abraham veröffentlicht zur selben Zeit seine Arbeiten „Verwandschaftsehen“ und „Über neurotische Exogamie“, welche gleichermaßen die inzestuöse Fixierung der Neurotiker behandeln und einstimmig besagen, daß die inzestuös fixierten Personen — sehr oft in der Wirklichkeit, immer jedoch in ihrem Phantasieleben — mit ihren Eltern oder ihrer Familie so eng verbunden zusammenleben, als ob sie noch immer kleine Kinder wären.
Vom triebpsychologischen Gesichtspunkte gibt uns Freud in „Triebe und Triebschicksale“ folgende Beschreibung dieser Erscheinung: die Libido ist an die ersten Objekte so stark gebunden, fixiert, daß eine Ablösung und Verschiebung auf neue Objekte — eine sonst so wichtige Eigenschaft der Libido — bei diesen fixierten Personen mehr oder weniger unmöglich geworden ist. Dieser Umstand erklärt die Asozialität der Neurotiker, ihre Schwierigkeiten, sich irgendeiner gesellschaftlichen od