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Stekel eröffnet mit einem Artikel, betitelt „Gewissenskrankheiten“. Er gibt drei Definitionen des Gewissens. Das Gewissen sei erstens die Reaktion des Kulturmenschen gegen das Vordringen des Urmenschen. Zweitens: die soziale Forderung der Kultur bilde das
Gewissen des Menschen. Drittens: das Gewissen sei ein Protest des Gemeinschaftsgefühls gegen den Individualismus. Wie Stekel in dieser sieben Seiten umfassenden Arbeit mit Entdeckerpose „auf Grund seiner Erfahrungen als Psychotherapeut“ feststellt, daß ein großer Teil aller nervösen Krankheiten „Gewissenskrankheiten“ seien, charakterisiert die Art des „verwahrlosten Stekel“ in eindrucksvoller Weise. Mit keinem Worte erwähnt er, daß Freud dies bereits Jahrzehnte vor ihm gefunden hat. Die Aufstellung des Über-Ichs und die Aufdeckung seiner Funktion im neurotischen Getriebe, Gemeingut der Psychoanalyse Freud scher Schule seit mehr als zwanzig Jahren, wird von ihm so völlig totgeschwiegen, daß man staunt, über wie wenig Gewissen der Neuentdecker der Gewissenskrankheiten selbst verfügt. Die beigefügten Krankengeschichten möglichst exotischer Patienten — als ob es deren bedurft hätte, die Funktion des Gewissens in der Neurose zu entdecken, — sind oberflächlich und wie immer ganz auf aktuelle Konflikte abgestellt. Asthma wegen eines Verhältnisses mit der Schwägerin, Haut-jucken und Impotenz wegen Überschreitung religiöser Verbote, Lichtscheu, weil ein Verbrechen nicht an den Tag kommen soll und andere Ergebnisse der aktiven Psychoanalyse sollen die Stekel schen Behauptungen bekräftigen und erweisen, „wie gefährlich die Lehre Freuds ist, wenn man sie einseitig auffaßt, als wenn alle seelischen Erkrankungen nur auf den Mangel sexueller Befriedigung zurückzuführen wären“.
Als zweiter Artikel gelangt ein Abschnitt aus einem im Erscheinen begriffenen Buch „Technik der Psychotherapie“ von Artur Kronfeld (Berlin) zum Abdruck. Der Abschnitt ist überschrieben: Das Programm der Selbstgestaltung in der Psychotherapie. Schon in der