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Das „ökonomische Problem des Masochismus“, d. h. die Tatsache, daß Menschen in verschiedenen Weisen scheinbar dem Lustprinzip entgegenhandeln, scheint Menninger besonders zu reizen, da er in einer Reihe von monographischen Arbeiten das klinische Material dieser Art in dankenswerter und übersichtlicher Weise zusammenstellt und aus den gesammelten Tatsachen — ohne theoretische und billige Spekulationen — seine Schlußfolgerungen zu ziehen sucht. Seinen Arbeiten über Suizid und über die Neigung, Operationen an sich vollziehen zu lassen,5 folgt jetzt eine über die körperlichen Selbstbeschädigungen. Ihre Problematik ist eine dreifache: Erklärt werden muß die Steigerung, bezw. Ungehemmtheit der destruktiven Neigungen, ihre Wendung gegen das eigene Ich und die Wahl des verletzten Organs.
Wir hören zunächst von einer 30jährigen, schwer depressiven Patientin, die von ihrer Mutter gegen ärztlichen Rat aus einer geschlossenen Anstalt in häusliche Pflege übernommen worden war; sie tötete ihr zweijähriges Kind mit einem Hammer, um, wie sie sagte, ihm den Jammer des Daseins zu ersparen, und legte sich dann auf solche Weise auf das Eisenbahngeleise, daß ein Zug ihr einen Arm abfuhr; dann erholte sie sich rasch und wurde gesund. — Bei solchem Falle ist kein Zweifel, daß die Selbstbeschädigung eine Talionsstrafe für den Mord war. Der Arm, der den Hammer geschwungen hatte, mußte bestraft werden. Die Äußerungen der Patientin zeigten, daß sie einen schweren Haß gegen ihre Mutter hatte (die ja durch Unterschätzung der Krankheit ihrer Tochter an dem Unglück wirklich schuld war), den sie in der Melancholie gegen sich selbst gewendet, später aber offenbar auf das Kind, mit dem sie identifiziert war, verschoben hatte. Es handelt sich also um eine Rückwendung einer Destruktionsneigung gegen das eigene Selbst. — Ob es immer so ist, und wie es bei solcher Wendung zugeht, soll die folgende eingehende Untersuchung zeigen. Zu diesem Zwecke bespricht Menninger in sechs Kapiteln die Selbstbeschädigun