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Eine wichtige und relativ leicht verständliche Art der psychischen Entstehung organischer Symptome ist der Umstand, daß eine bestimmte psychische libidinöse Haltung eine Veränderung im Organismus bewirkt, die ihrerseits rein organische, psychisch nicht mehr sinn-volle Folgen hat. So erklärte Alexander das Magenulcus als die physische Folge derjenigen Veränderungen der Magensekretion und -innervation, die durch chronische unbewußte unbefriedigte orallibidinöse Wünsche entstehen. — Saul beobachtete einige andere Beispiele von ähnlichen Mechanismen: Ein Patient bekam im Verlaufe seiner Analyse morgendliche Halsschmerzen. Es wurde festgestellt, daß er zu dieser Zeit gegen seine sonstige Gewohnheit auf dem Rücken schlief und durch den Mund atmete, was Rachentrockenheit und dadurch die Halsschmerzen hervorrief. In der Analyse wurden gerade orale Wünsche behandelt, und es stellte sich heraus, daß der Patient zu träumen pflegte, daß er gefüttert werde. Offenbar hatte er sich unter dem Einfluß solcher Träume auf den Rücken gelegt und den Mund geöffnet. Der gleiche Patient bekam dann auch Zahnfleischbluten, Mundulzerationen, Kieferschmerzen und leichte Laryngitis. Man erfuhr, daß er plötzlich mit nächtlichem Zähneknirschen eingesetzt hatte, was ein Ausdruck seines mobilisierten Oralsadismus war. Dies führte u. a. zu Zungenbissen, die für die Mundulzerationen verantwortlich waren. Entsprechendes konnte Saul auch an andern Patienten beobachten. Saul mahnt mit Recht zur Vorsicht bei der Problematik der Psychogenese organischer Symptome. Der psycholibidinöse Zustand ist nur eine Komponente neben anderen rein somatischen bei der Entstehung derartiger Symptome.
O. Fenichel (Prag).