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Die „biozentrische Wissenschaft“, die „das Leben zum Mittelpunkt und zum Ausgangspunkt aller Betrachtungen nimmt“ zeigt den Verlauf der Lebensvorgänge in Rhythmen. Sie können im Gesamtleben der Natur harmonisch ineinandergreifen (z. B. Befruchtung der Blütenpflanzen durch Insekten). Die Rhythmen können sich in Überschneidungen und Interferenzen treffen (z. B. in der Erkrankung eines größeren Geschöpfes durch eindringende Kleinlebewesen) oder ein Rhythmus kann durch einen anderen vernichtet werden (Gefressenwerden eines Geschöpfes durch ein anderes; diese Beispiele zeigen zur Génügé die groteske Ausdehnung des Rhythmusbegriffes bis zur Unkenntlichkeit und damit Uhfaßbarkeit und Nichtigkeit). Niemals aber kommt es in der „unbegeisteten Natur“ vor, däß ein Lebensrhythmus durch seinen Träger selbst gehemmt würde, das geschieht allein bei dem einzigen begeistigten Geschöpf dieser Welt, beim Menschen. Inwiefern diese menschlichen Hemmungen der Lebensrhythmen zu Lebensstörungen führen können und auf welche Weise den hier drohenden Störungen begegnet werden kann, wird in dem Buch näher auszuführen versucht. Die Krankheit wird somit als Rhythmusstörung aufgefaßt und die Aufgabe des Arztes in der „neuen Rhythmisierung des Gegenwartslebens“ erblickt. Machtverlangende, besitzgierige Willenstrebungen, vom Rechengeist besessene und von der Entseelung bedrohte Anschauung, Materialismus und Mechanisierung müssen überwunden werden. Dies scheint dem Verfasser weitgehend gelungen zu sein. Der Gewinn besteht nicht in einem „schöpferischen Erlebnis“, sondern in verwaschenen, gefühlsmäßigen Anschauungen, in einem kläglichen wahrhaft „unbegeistigten“ Ersatz.
M. Grotjahn (Topeka, Kansas)