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Das Folgende soll keine Würdigung des neuen Buches von Anna Freud sein — eine ausführliche Besprechung ist von berufener Seite in dieser Zeitschrift erschienen — sondern ein Beitrag zur Diskussion des in einem Kapitel des Buches behandelten Themas. Klarheit und Schärfe des Gedankenganges sowie eine besonders ausgeprägte Unmittelbarkeit des Herangehens an die schwierigen psychologischen Fragen, Vorzüge, die namentlich dem zweiten Teile des Buches eignen, erleichtern die Erörterung.
Als Ausgangspunkt diene der in dem Kapitel „Die Identifizierung mit dem Angreifer“ angeführte Fall von Aichhorn, in dem ein Junge, vom Lehrer ermahnt oder getadelt, immer wieder mit Grimassen reagiert, über welche die ganze Schule lachen muß. Die Grimassen des Knaben sind nichts anderes als ein verzerrtes Abbild der Gesichtszüge des geärgerten Lehrers. „Der Junge, der dem Tadel des Lehrers standhalten soll, bewältigt seine Angst durch unwillkürliche Nachahmung des Zornigen. Er übernimmt selbst seinen Zorn und folgt den Worten des Lehrers mit dessen eigenen nicht wiedererkannten Ausdrucksbewe-gungen. Das Grimassieren dient also der Angleichung oder Identifizierung mit dem gefürchteten Objekt der Außenwelt“. Ähnlich ist der seelische Ablauf in den anderen dargestellten Fällen, besonders deutlich in dem einer sechsjährigen Patientin, die sich mit der Darstellung des Attributes und des Benehmens des Angreifers aus dem Bedrohten in den Bedroher verwandelt.
Anna Freud weist darauf hin, daß dieser Umwandlungsprozeß um so befremdender wirkt, wenn die Angst sich nicht auf ein vergangenes, sondern auf ein zukünftiges Ereignis bezieht. Sie führt als Beispiel einer solchen prophylaktischen Reaktion den Fall eines Knaben an, der bei bestimmten Gelegenheiten gerade die Person, der gegenüber er sich unartig benommen hat, anklagt und beschimpft. In einem anderen Fall dient die Aggression eines kleinen Jungen noch deutlicher der Darstellung und Vorwegnahme seiner Befürchtungen. Diese „Identifizierung mit dem